Experiment: Freie Welpenaufzucht

Ich habe vor ca. 10 Jahren mit der Welpenaufzucht experimentiert. Ziel war es zu beobachten, wie sich Welpen verhalten, wenn sie relativ frei und natürlich aufgezogen werden.

Resumée der „freien Welpenaufzucht“

Nun kann ich nach dem zweiten Wurf (N2-Wurf mit 2 Welpen) und dem jetzigen O2-Wurf mit 7 Welpen ein erstes Resumée ziehen. Unter “Freier Aufzucht” verstehe ich eine beinah komplette Gitter-, Käfig- oder Zwingerfreie Unterbringung der Welpen, d.h. sie können sich frei in Haus und Garten bewegen, wie die erwachsenen Whippets auch.

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Vorausgeschickt:

Eine solch “Freie Aufzucht” bringt unvergleichbare Vorteile für die Welpen, ist aber seitens des Züchters eine kaum erbringbare Leistung. Ich habe dieses Experiment gern gemacht, weil es mich selbst sehr interessiert, was dabei rauskommt und weil ich zum Glück unabhängig bin und dafür alle Zeit habe. Für mich persönlich überwiegen die einmaligen Vorteile in der Welpensozialisation, die ich an meine Besitzer weitergebe.

Grundsätzliches:

Es bedarf einer fast Rund-um-die-Uhr Betreuung und Aufmerksamkeit, dazu muss der Züchter viel Zeit und Energie aufwenden, was bei einem normalen Arbeitsleben oder Tagesablauf mit anderen Verpflichtungen überhaupt nicht durchführbar ist.

Es bedarf eines freien Zugangs vom Haus zum sicher umzäunten Garten.

efeuWelpen bei der Gartenarbeit

Es bedarf weiterhin einer stabilen Gesundheit des Züchters, extrem starker Nerven ;-) und permanentem Bereitschaftsdienst.

Es bedarf einer absolut freien Zeiteinteilung, da sich die Tagesgeschäfte dann den Schlafbedürfnissen der Welpen anpassen müssen.

omnia512 die junge Omnia liegt lässig am Eingang

Alles ist easy und gut, wenn die Welpen den Menschen sehen können.

Vorteile:

1.Schnelle Stubenreinheit

Die Welpen lernen bereits mit den ersten Schritten die  Benutzung des Welpenklos.

onyxmumkloDas puppyklo in nächster Nähe des Körbchens…zum Schlafen nicht gedacht, aber ich hatte das alles einmal dokumentiert in Breeder Special, wie früh die Welpen es tatsächlich als Pipiort benutzen – hier Mutter Diva mit Onyx.

Bei einer dauerhaften Anleitung (d.h. wach werden und ins Klo wackeln bzw. setzen) auch in den folgenden Wochen, werden sie schneller stubenrein. Bereits ab dem Alter von 5 Wochen, sind sie selbst bestrebt in den Garten zu gehen, um die “Geschäfte” abzuwickeln. Das heißt nicht, dass sie 100% stubenrein sind, aber wenn sie sich später in der Wohnung lösen, hatten sie entweder keinen freien Zugang zum Ausgang oder aber der Betreuer hat die Anzeichen übersehen. Ein Welpe muss immer, wenn er wach wird.

2. Aufwachsen im Rudel- und Familienverband

Das freie Aufwachsen im Rudel (d.h. mit den erwachsenen Hunden) ist m.E. für die Entwicklung der Welpen ein unermesslicher Vorteil in Bezug auf die innerartliche Sozialisation.

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Sowohl die Hundemutter als auch die übrigen “Tanten” nehmen sich der Betreuung und Fürsorge der Welpen an. Die Hundemutter ist dadurch entlastet und die natürliche Entwicklung erfolgt weitgehendst ohne menschliches Dazwischenfunken. Die Welpen lernen sehr früh innerartliches angepasstes Verhalten. Sie sind in ihrem Wesen stabiler und lernen schneller die Beißhemmung. Sie reagieren nicht mit Flucht, wenn die erwachsenen Hunde “Alarm” schlagen. Sie schauen sich das Verhalten der erwachsenen Hunde ab, verhalten sich wesentlich entspannter, spielen, wenn das Rudel aktiv ist und ruhen, wenn die übrigen Hunde schlafen.

Die Welpen haben von Anfang an den direkten Kontakt zum Menschen und sehen fortwährend den Züchter. Sie suchen “automatisch” die Nähe und schlafen in der Regel dort, wo sich der Mensch aufhält.

3. Aufwachsen im Haus

Die Welpen lernen von Anfang an alle Geräusche kennen, die im Haushalt auftreten, bewegen sich auf unterschiedlichen Bodenbelägen und finden hoffentlich unendlich verschiedenartiges Spielzeug, um das “zahntechnisch” auszutesten. Sie zeigen innerhalb kürzester Zeit keinerlei Furcht vor Unbekanntem, kommen schneller mit neuen Situationen klar. Weder Staubsauger noch Musik oder herunterfallende Töpfe bringe sie aus der Ruhe, keine lauten Stimmen oder hektische Besucher. Sie legen sich “freiwillig” zum Schlafen in die Körbchen, haben einen gesunden Appetit, sind fröhlich und aufgeschlossen, aber wesentlich “gesetzter” und ruhen in sich. Dadurch werden sie auch in bestimmten Situationen “aufmerksamer”, lernen schnell, was man von ihnen erwartet, folgen ganz hervorragend auf Zuruf, auch wenn sie am Gartentor von Passanten abgelenkt sind (mit 10 Wochen).

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Sind Welpen in einem Welpenkennel separiert, sind sie deutlich hyperaktiver, wenn der Betreuer sie besucht oder Besucher kommen. Sie sind außer sich vor Freude, laufen einem unter die Füße, zerren an den Hosenbeinen und sind dermaßen verrückt beim Anblick ihres Menschen, dass sie dabei keine “Zeit” haben und sich nicht konzentrieren können, weil sie fürchten ihnen könnte etwas entgehen. Sie suchen die Nähe zum Betreuer und “klammern” oder sind außer sich vor Freude.

Sind sie jederzeit mit dem Betreuer zusammen, reduziert sich das “Angezogensein” auf ein normales Maß. Die Welpen freuen sich, wenn sie begrüßt werden, kommen fröhlich aber nicht hektisch auf einen zugelaufen, können auch ruhig auf dem Schoß sitzen.

Ganz auffällig ist die Lerngeschwindigkeit, die sich deutlich von Welpen unterscheidet, die normal im Zwinger aufwachsen und nur mehrmals am Tag “Besuch” haben. Schon bei 6 Wochen alten Welpen zeigt sich die geistige Aktivität sehr viel deutlicher. Sie haben die Körpersprache des Betreuers bereits bestens erlernt, reagieren wie die erwachsenen Hunde auf deutliche Zeichen, Stimmungen und Mimik. Lassen sich deutlich besser lenken und beeinflussen, auch lernen sie sehr viel schneller, was der Betreuer als erwünschtes oder unerwünschtes Verhalten ansieht. Nach einem zweimaligen “Nein” lassen sie die Pflanze in Ruhe, steigen nicht mit den Füßchen auf den Couchtisch oder lassen Kabel unberührt.

Während der Entwicklung zeigen sich deutliche Präferenzen und Fähigkeiten der einzelnen Welpen. Jeder kann durch eine dauernde Beobachtung in bestimmten Situationen besser in seinem jeweiligen Entwicklungstadium und Verhaltensrepertoire eingeschätzt und demnach auch gefördert werden, was wichtig für die Zuordnung zu den späteren Familien ist.

4. Alleinsein

Die Welpen werden auch mal allein gelassen bzw. beschäftigen sich selbst an einem anderen Ort, ruhen mal hier mal da und sind nicht permanent zu meinen Füßen. Sie können frei entscheiden, ob sie sich unter meinen Schreibtisch legen, neben mich setzen oder das Körbchen im Schlafzimmer belagern. Alle Kabel habe ich abgesichert und mögliche Gefahrenquellen beseitigt.

Wenn ich das Haus verlassen muss, dann haben die Welpen schnell gelernt, dass ich auch wiederkomme. Sie verhalten sich ruhig, spielen miteinander oder mit der Vielzahl von Spielsachen für 2 bis 3 Stunden. Der Schaden, den sie angerichtet haben in meiner Abwesenheit hält sich stark in Grenzen. Bis auf ein angenagtes Eckchen von einem Holztisch und ein paar zerfledderten Zeitschriften ist bis zum Ende der 10.Lebenswoche nichts weiter zu vermelden.

Sie schlafen auch des Nachts am liebsten im Schlafzimmer. Da ich das nicht zulassen kann, weil sie sich nicht zu eng an mich binden sollen, habe ich den Welpeninnenzwinger nun im Wohnzimmer platziert. Dort werden sie nur des nachts eingesperrt bzw. gehen  von allein, wenn sie müde sind dorthin und schlafen. Dafür werde ich dann nachts ein paar Mal geweckt, wenn sie sich lösen müssen. Das heißt dann auch bisweilen dreimal in der Nacht aufstehen und die Welpen in den Garten lassen.

5. Rangeinweisung

Es gibt die Spielzeiten, in denen wir auch mit den Welpen Hallodri treiben und die “Arbeitszeiten”, in denen sie sich “untersuchenlassen” müssen, auf den Tisch gestellt werden oder an der Leine gehen. Und es gibt auch die Zeiten, wo sie gegen ihren Willen zur Ordnung gerufen werden müssen, wenn sie z.B. abends ihre “verrückten 5 Minuten” haben und wie die Irren durch die Wohnung flitzen. Ich lasse sie gewähren, biete aber Einhalt, wenn sie gar nicht “runterkommen”. Auch das haben sie sehr schnell begriffen, denn schon die übrigen Hunde zeigen den Welpen deutlich, wann es langt. Ich weite als Betreuer also nur das aus, was schon die erwachsenen Hunde den Welpen beigebracht haben. Wenn sie “gefährlichen” Unsinn machen und keine Ruhe geben wollen, werden sie verbal ermahnt, wenn das nichts hilft, hoch gehoben und in der Hand gehalten, so dass sie frei “in der Luft” hängen. Das reicht und sie sind danach “geläutert”, denn die angeborene Angst vor Tiefe bringt sie schnell wieder zur Vernunft. Ansonsten sind die täglichen 5-Minuten-Ausraster zu tolerieren, damit sich die Spannungen abbauen und in dieser Zeit dürfen die Welpen auch “wilde Sau” spielen.

Die Rangeinweisung ist strikt unter Hunden in bestimmten Lebenswochen und wir Menschen müssen nur diese Konsequenz übernehmen. Schluß ist Schluß! Mehr ist das nicht. Dazu bedarf es weder Kraftanstrengung noch Übersinnlichem. Hundepsychologie unterscheidet sich von unserem Denken und ist gar nicht kompliziert. Man sollte in jedem Fall vermeiden, seine Hände einzusetzen und Welpen “verkloppen” oder damit strafen. Die Phase ist sensibel und ein Zuviel richtet mehr Schaden als Nutzen an. Menschenhände müssen immer positiv assoziiert werden.

Wichtig ist, dass alles in einem ausgewogenen Verhältnis bleibt und die Welpen Ruhe haben und zur Ruhe kommen können.

6. Fremdeln

In der 8.Lebenswoche beginnt in der Verhaltensentwicklung das “Angezogensein” vom menschlichen Sozialpartner in das “Abgestoßensein” zu wechseln, auch noch ein Wolfserbe. Diese äußerst sensible Phase ist sorgfältig zu beachten. Sie verkürzt sich deutlich und tritt auch nicht bei allen Welpen auffällig zu tage, wenn aber doch, wirkt die freie Aufzucht hier nach meiner Erfahrung ebenfalls sehr positiv. Will der Welpe nicht auf Zuruf kommen, muss man ihn nicht fangen oder holen, was sich nur noch angstverstärkend auswirkt, sondern geht einfach ins Haus und in wenigen Minuten folgt der “Bockige” nach und alles ist wieder gut.

Wird das “Fremdeln” auffällig, gehe ich gezielt mit besonders verlockenden Reizen an dem Welpen vorbei und beschäftige ich mich ausgiebig “liebevoll” mit hoher Stimmfrequenz mit den anderen Zugänglichen. Es dauert keine Minute und der “Anfall” ist vorüber, der Fremdler kommt von selbst, weil die Neugier überwiegt und dieses Verhalten tritt nicht mehr auf.

7. Sachlichkeit

Wenn man genug Welpen aufgezogen hat, dann ist das alles auch irgendwie schon Routine und man reagiert auf bestimmtes Welpenverhalten “gelassen” und souverän. Oft ist das eigene Verhalten des Züchters oder Betreuers die Weichenstellung. Unaufgeregtheit ist wohl das Stichwort.

Welpen sind weder Spielsachen, noch Kuscheltiere, es sind ganz einfach junge Hunde, die nicht nach menschlichem Verständnis und Empfinden ticken. Sie müssen klar “verstehen” können, was der Betreuer von ihnen erwartet. Da sie nicht unsere Sprache lernen können, muss der Mensch seine kennen und sich auch deutlich so verhalten. Es reicht beispielsweise aus, sich zu den Welpen zu setzen ohne großes Palaver und großes Getue. Jeder Welpe ist so programmiert sich auch an den artfremden Menschen zu binden. Einfache, immer gleiche Rituale erleichtern das Verständnis sehr. Das erlernte und unerschütterte Vertrauen der Welpen zum Züchter ist die beste Basis für einen angstfreien Hund, der in großer Zuneigung an seinem späteren Besitzer hängt und ihn problemlos begleitet, ihm freudig folgt und sehr sehr schnell lernt.

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Bei der freien Aufzucht können die Welpen überall sein. Sie kommen und stupsen mich an, wenn sie Hunger haben. Dann warte ich noch eine ganze Weile und bereite ohne Worte die Mahlzeit zu. In der 9.Woche brauche ich gar nicht mehr zu rufen. Ich drehe mich nur um und alle verbliebenen Fünf sitzen aufmerksam in einem Kreis um mich herum und beobachten, was ich tue. Würde ich sie jetzt ansprechen, motiviere ich sie nur zum Hochspringen, also nehme ich den Napf und sage so was ähnliches wie “Freßchen” und gehe zügig zum Futterplatz. Da gibt es keine Kratzer an den Beinen und kein Gestolpere durch hochspringende Welpenfüßchen, weil die Welpen nur mäßig aufgeregt sind und gesittet nebenher laufen.

warmflasche Omnia hat am Hals der jungen Krita gelegen und ist genau wie hier beschrieben aufgewachsen

8. Streicheln und Schmusen

Normal ist es, das Welpen zum Mund des Menschen wollen, wenn sie ihn erreichen können. Küssen ist erlaubt, Beißen nicht. Bei der freien Aufzucht ist die individuelle Schmuseeinheit nicht in dem Maße erforderlich, wie bei einer normalen Aufzucht. Da sich das Vertrauen in den Wochen durch die ständige Anwesenheit gefestigt hat, benutze ich Streicheln und Schmusen als positive Verstärkung für ein erwünschtes Verhalten. Z.B. auf Zuruf Kommen, auf Kommando Pipi machen, brav Sitzen bleiben, Apportieren usw.
Auch hier gibt es individuelle Unterschiede. So kommt der eine gern von selbst und drückt sich an oder legt sich zu Füßen, während der andere einfach nur im Körbchen liegt und zufrieden ist, dass er uns sieht.

9. Leinenführigkeit, Ausflüge mit Freilauf

tour1Der Welpe sollte alles unaufgeregt lernen, bevor er das Haus verlässt. Leinenführigkeit ist bei den Welpen überhaupt kein Problem, auch Ausflüge in eine ruhige Umgebung mit Freilauf werden geübt, so dass auch das „normaler Alltag“ ist. Zusammen mit den erwachsenen Whippets bewältigen sie auch Neues schnell und gut, danach müssen Welpen immer Zeit zum Relaxen und Schlafen haben, um die Umwelteindrücke zu verarbeiten.

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Schlussbemerkung:

Eine “freie Aufzucht” von Welpen ist machbar, wenn man als Züchter nichts anderes zu tun hat. Auch dann erfordert es hohen Einsatz und eine dauernde Bereitschaft. Letztendlich ist es trotz großen Aufwands sehr entspannt und für die Welpen m.E. ein großer Vorteil in der Entwicklung und Adaption an den Menschen. Als Züchter habe ich mit Blick auf die Zukunft der Welpen in ihren neuen Familien alles getan und mit auf den Weg gegeben, damit die Integration reibungslos funktioniert und der neue Besitzer einen wesensstarken Hund in die Hand bekommt.

wannieslastday

Geschockt hat mich eine mail einer Leserin, die von einem Whippetwelpen ihrer Schwester berichtet, der so völlig anders ist, als sie es kennt : Zurückhaltend, eher ängstlich. Nach 5 Monaten zeigt das Hündchen wenig Bedürfnis nach Nähe zu verspüren. Wildes Toben, was ja klar ist scheint ihr das Nonplusultra zu sein. Natürlich kuschelt sie, wenn man sie zwingt. In die Hocke gehen und mit offenen Händen das Whippchen zu locken sei kontraproduktiv. Kein freudiges Annähern, außer mit Gutis, eher wird diese Geste mit zurückweichen oder manchmal als Signal: ah,ein andrer Hund will mit mir kämpfen, beantwortet.

Nein, solches Verhalten gab es bei meinen Welpen nicht und wird es auch nie geben! Ich möchte niemandem meiner Besitzer so etwas zumuten. Jeder Welpe sollte auf das Leben bestmöglich vorbereitet sein.

haushaltshilfen

Und genau deshalb steht Sozialisation ganz oben auf meiner Liste der Welpenaufzucht.

Fleißige Haushaltshelfer, wie im Foto, müssen sie nicht sein, aber Welpen, die so viel wie möglich kennen gelernt haben.

Alles, was Welpen im frühen Alter lernen, wird abgespeichert. Fehlende Erfahrungen in der Jugend wirken sich wie eine Hirnverletzung aus,

©Marianne Bunyan

Sensibilität des Whippets

Wir sind ja oft sehr schnell geneigt, ein Verhalten des Whippets als Wesensfehler zu beschreiben. Was nun nicht heißen soll, dass es Wesensfehler nicht gibt. Vermehrt hört man heute davon oder sieht es auch. Wesensschwache Whippets sind nicht das, was wir haben oder züchten wollen. Wie immer fängt alles bei der Auswahl der Zuchttiere an, bei der wesenssicheren Hundemutter ganz besonders, und setzt sich fort über die Aufzucht und dann später bei der Haltung durch den neuen Besitzer. Auch der bestgezüchtete, bestaufgezogene Whippet muss in die geeigneten Hände kommen!

Denn: Nicht selten haben wir erlebt, dass Hunde ihr Verhalten vollkommen ändern konnten, wenn sie zu einem passenden!!! Menschen kamen. Während sie vorher wesensauffällig waren, konnten sie unter neuen Lebensbedingungen zu wesensfesten, fröhlichen Hunden werden.

sensible Whippets.JPGsensibler Whippet: Purple möchte erahnen, was sein Mensch wünscht

Whippets sind sensibel, das muss jeder wissen. Der eine mehr als der andere, aber allesamt sind sie feinnervig und zeigen das auch. Dementsprechend muss der Mensch ebenso erkennen können, was der Whippet vermittelt. Sensibel meint nicht schüchtern, auch nicht zurückhaltend, es meint lediglich empfindsam, von besonderer Feinfühligkeit sein.

Hausgemachtes Problem?

In den allermeisten Fällen sind Whippets ideale Hausgenossen, wenn Mensch und Hund zueinander passen, deshalb sind die Fälle, die wir erlebt haben die Ausnahme. Aber es gibt halt auch die Beispiele, wo die Vorstellungen von einem Whippet nicht realistisch waren und die Anschaffung aus diversen Gründen erfolgte, sei es aufgrund des Aussehens, seiner Schnelligkeit oder seiner Verfügbarkeit.

Wenn der Whippet nicht wie eine Maschine funktioniert, wenn er in Stresssituationen Erlebtes erst einmal verarbeiten muss, oder wenn er ein bestimmtes von uns unerwünschtes Verhalten zeigt, suchen wir den Grund dafür natürlich nur beim Hund. Hat ein Whippet etwa keinen Anspruch auf Ausdruck seiner Befindlichkeiten?

Er darf uns durch sein Verhalten zeigen, dass er sich unbehaglich fühlt. Er darf erst recht zeigen, wenn er unausgelastet, unverstanden oder unsicher ist, oder besonders, wenn etwas in dem Verhältnis Mensch-Whippet nicht stimmt. Viel zu schnell wird alles auf die Zucht oder die Vererbung geschoben, was tatsächlich nur eine natürliche Reaktion auf einen Zustand ist. Warum macht er das? Warum verhält er sich auf einmal so? sind oft die Fragen, die einige Whippetbesitzer geäußert haben.

Probleme mit physisch gesunden Whippets haben in den allermeisten Fällen, wenn nicht ausschließlich, nur einen Grund: die fehlende Beziehung zu seinem Menschen. Entweder hat er es als Welpe nicht gelernt oder er ist zu jemand gekommen, der nicht zu einem Whippet passt.

IMG_5993.jpgVertrauen von Anfang an gelernt hat Sali, hier im Arm von Susanne Illich

Genau das macht auch die Andersartigkeit zu anderen Hunderassen, auch den anderen Windhunderassen aus. Es ist die Kombination von windhundartigen Verhaltensweisen mit der feinnervigen Psyche und dem unbedingten Adaptionswillen. Der Whippet will sich seinem Menschen nicht nur anpassen und tut es auch, sondern er möchte sich wohl eher mit ihm identifizieren. Die Schwierigkeiten bestehen zwischen Whippet und Mensch, wenn beide sich nicht verstehen können. Was der Mensch als Anpassung versteht, beschränkt sich meist auf eine „problemlose Handhabung“. Was könnte der Whippet darunter verstehen? Wir können das nur aus der Erfahrung annehmen, die wir im Laufe unseres Lebens mit Whippets gemacht haben. Ein Whippet kann nicht belogen werden, denn er spürt, ob wir es ehrlich mit ihm meinen.

Deshalb: Verständnis und Zuneigung müssen von Herzen kommen. Es kann gut möglich sein, dass die Zuneigung, das Annehmen auf Anhieb da ist, oder sie wächst mit der Zeit. Aus Zuneigung folgt Anpassung und Sicherheit. Das sensible und emotionale Wesen eines Whippets, das muss der Besitzer kennen und nicht nur ertragen, sondern wirklich auch mögen. In dem Moment wo der Hund wirklich im Herzen angekommen ist, sieht man es einem Whippet auch an. Läuft er nur mit oder bildet er mit seinem/seinen Mensch eine Art Symbiose? Sind Mensch und Whippet aufeinander eingestellt?

Werbung ist eine nicht ernst gemeinte Willenserklärung

Wird in Rassenbeschreibungen und Werbungen für den Whippet genug auf seine Eigenarten verwiesen? Wenn Whippetleute über den Whippet schreiben, dann ist das so als würde man einem Kind das Autofahren erklären. So etwas Grundlegendes wie das mehr oder weniger typische Wesen ist dem eingefleischten Whippetfan eben längst in Fleisch und Blut übergegangen. Ist es nicht genau das, was wir so an ihm schätzen? Das muss nicht explizit erwähnt werden, weil es selbstverständlich ist, oder doch? Ja es muss, denn immer wenn Schwierigkeiten mit einem Whippet auftreten, dann fragt man sich, ob denn der Besitzer sich vor der Anschaffung über das Wesen und die Sensibilität des Whippets wirklich im Klaren war? Wurde er tatsächlich dahingehend aufgeklärt?

Annahme und Vertrauen

Was man Beziehung nennen mag, ist nichts anderes als das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Bindung, die gegenseitige Annahme. Im täglichen Zusammenleben werden die Bedürfnisse von Mensch und Whippet in soziale Beziehung gesetzt und auch gelebt.

Manchmal haben wir es gehört, dass der Whippet von dem ein oder anderen Partner nicht angenommen wird. Vielleicht sind es auch Eifersüchteleien zwischen den Partnern selbst, die über den Hund ausgetragen werden. Sie lehnt den Whippet komplett ab, er ist absolut überzeugt und hingerissen in Herz und Seele. Der ablehnende Partner trägt seine Konflikte über den Hund aus. Die Beziehung zu seinen Bezugspersonen ist gestört. Eine Disharmonie in der Familie kann ein Whippet nicht ertragen.

Die Sensibilität als eine Eigenschaft wird meist nur am Rande erwähnt. Eben doch nicht wirklich ein Hund wie jeder andere? Ja einerseits und nein andererseits. Wer genau dieses windhundartige und whippettypische Wesen, wenn man das einmal so nennen darf, missachtet, der wird mit seinem Whippet nicht wirklich glücklich sein.

Die falschen Erwartungen an den Whippet, kann der Hund nicht erfüllen. Er kann den Menschen nicht verstehen, nicht lesen, wenn seine Handlungen inskonsequent, unberechenbar oder launisch sind. Der Whippet braucht einen sicheren, vertrauenswürdigen und zuverlässigen Menschen, der als Teamchef motiviert und führt.

Wenn die Bedürfnisse des Whippets, nur sporadisch oder gar nicht befriedigt werden, dann entsteht Hilflosigkeit und Chaos in seinem Kopf. Das Vertrauen kann gar nicht erst aufgebaut werden oder wird beschädigt.

Welche Möglichkeiten hat nun ein Whippet auf sich aufmerksam zu machen? Er kann uns zeigen, dass etwas nicht stimmt. Dann ist er auf einmal so anders, so störrisch, so penetrant, so unfolgsam, so neurotisch….Ist er etwa Spiegelbild seines Menschen?

Die Frage lautet dann Was stimmt mit dem Hund nicht? Dann wird probiert und versucht, eine Hundeschule nach der anderen, ein „Hilfsmittel“ nach dem anderen, Pillen, Pasten, Globuli, Kastration… und nichts hilft. Das Grundproblem kann dadurch nicht gelöst werden.

Die Frage muss anders gestellt werden: Was stimmt in der Beziehung zum Whippet nicht?

Sensibilität ist die Empfindsamkeit, die Wahrnehmung des Menschen, das Hinein-fühlen. Der Whippet scannt permanent unsere Körpersprache genauso wie unsere Stimmungen.

Whippet und VertrauenGerry Girard mit Lilly und Ayrheen ( rechts), die genau beobachtet!

Er wird verunsichert, wenn das Verhältnis und die Verständigung unklar und getrübt sind. Eine echte Bindung entwickelt sich mehr oder weniger automatisch, wenn der Whippet spürt, dass Mensch ihn versteht, dass sein Wesen gemocht wird und dass er sich bei seinem Menschen sicher fühlen kann.Wer selbst unsicher ist, kann dem Hund keine Sicherheit geben. Und die sogenannte Bindung oder Beziehung wächst durch tägliche Erfahrungen, durch Nähe, gemeinsames Erleben, gezeigte Zuneigung, durch Vertrauen und Zuverlässigkeit im Umgang. Soviel Freiheit wie möglich, sowenig Beschränkung wie nötig ist die Qualität im Umgang mit dem Whippet.

Es funktioniert nicht, dem Whippet alles zu erlauben oder alles zu verwehren und ständig an ihm alle möglichen Techniken und Erziehungsprogramme auszuprobieren; Nein, Pfui, Aus, Sitz hier und Komm dort. Das macht er vielleicht ein paar Mal mit, aber das ist keine Strategie, die auf Dauer funktioniert. Er fühlt den Unsinn solcher Kommandos, die eine Beziehung nicht bestärken. Es ist förderlicher mit seinem Whippet eine Stunde auf dem Sofa zu liegen, als ihm Leckerchen zu füttern. Selbstverständlich hat der Whippet längst herausgefunden, womit er seinem Menschen eine positive Mine abringen kann. Und das macht er völlig freiwillig; denn er ist ein harmoniesüchtiger Gesell.

Warum gibt es Gesten der Zuneigung von Seiten des Whippets, die überhaupt nicht in ein Schema des zweckdienlichen „Manipulierens“ passen? Warum gehen Aktionen von ihm aus, die nicht unmittelbar einem eigenen Ziel dienen, sondern nur der Situation geschuldet sind? Einmal war ich in ein Buch vertieft, als die auf einem Sesseln neben mir ruhende Shiphra, mir wie in Zeitlupe näher und näher ihre Pfote herüber hangelte und mich sanft anstupste. Sie bewirkte damit, dass ich auf sah und schmunzeln musste. Ein anschließendes Zusammenrollen und Einschlafen von Shiphra zeigte, dass sie nichts weiter beabsichtigt hatte, als mich zu „erreichen“.

Falsch verstandene Whippets

Fehlt das Geborgen-sein und das Vertrauen gegenüber dem Menschen, würden solche kleinen Gesten nicht ausgeführt. Das weiß man, wenn man Whippets kennt, bei denen das Grundvertrauen in Menschen zerstört wurde. Da ist nicht einmal ein Schwanzwedeln drin. Das kann schon in der Welpenkiste beginnen, durch eine restriktive Aufzucht ohne Prägung auf den Menschen.

Falsch verstanden sind Whippets, wenn sie nicht als Hund, als Windhund und als Whippet wahrgenommen und geschätzt werden. Fehlt das Verständnis für sein sensibles Wesen, perfektioniert der Whippet seine Eigenständigkeit.Er wird ängstlich oder stur, zeigt seinem Menschen, dass er ihm nicht folgt, geht seiner eigenen Wege, sucht sich das, was für ihn interessant ist, sein Verhalten wird überzogen, und für den Menschen unverständlicher oder aber er resigniert und zieht sich ganz in sich zurück, zeigt wenig Lebensfreude oder Aufmerksamkeit. Das ist dann ein trauriges Hundeleben.

Bindung

Bindung ist die unsichtbare Leine zwischen Whippet und seinem Menschen. Eine gute Beziehung und echte Bindung haben Whippets zu ihrem Besitzer, wenn sie nicht nur in brenzligen Situationen abgerufen werden, sich sonst frei bewegen können und von selbst zurück laufen und ihren Menschen aufsuchen und mit den Augen anfragen, wie viel Freiheit ihnen zugestanden wird. Und er braucht auch die Aufmerksamkeit, die liebevolle Beachtung und wenn nur eine mimische Ermunterung oder ein subtile Berührung ist. So wie auch Whippets untereinander agieren, die sich als Einheit oder Gemeinschaft täglich permanent durch Kommunikation und Berührungen in der Zusammengehörigkeit als Gruppe bestätigen.

Whippetwelpe PrägungBindungsbereitschaft setzt eine frühzeitige positive Prägung auf den Menschen voraus, Christa Riebel mit Kjuay’s Bo Diddley

Hunde haben eine Affinität zum Menschen, das ist ihnen angeboren. Ist ein positiver Kontakt in der Welpenzeit durch den Züchter gewährleistet, haben Welpen in der Regel keine Probleme Vertrauen aufzubauen. Und die Sensibilität des Whippets macht es, dass sie genauer spüren können, ob Mensch es gut mit ihnen meint.
Selbstverständlich findet eine Stimmungsübertragung statt. Beim Whippet ist die Wahrnehmung sehr stark, dass ihm selbst die kleinsten Unsicherheiten oder die Ablehnung genauso wie die Stärke und Verlässlichkeit der menschlichen inneren Einstellung nicht entgehen. Jede Art von innerer Unruhe und Unsicherheit versetzt den Whippet in eine Situation, in der er kopflos werden kann. Er muss gezwungenermaßen den Part übernehmen, den sein Mensch für ihn offensichtlich nicht fähig ist zu leisten. Kommt das häufig oder dauernd vor, wird das Band durch enttäuschtes Vertrauen in seinen Menschen dünner und irgendwann reißt es ab. Ist ansonsten die Beziehung gefestigt, werden kurzzeitige Stimmungsschwankungen vom Whippet gut kompensiert und im selben Moment vergessen sein. Denn er kennt seinen Menschen meist viel besser als sein Mensch ihn.

intrawhippetliche Jagdausbildung

Wie Welpen von ihrer Mutter und dem Clanchef erzogen und gelehrt werden, zeigt die folgende Fotodokumentation zur Mäusejagd. Vorsicht : Wer das nicht ansehen kann, der klinke sich bitte jetzt aus. Kommentare oder Tränen nutzen nichts, denn sie ist seit Jahren mausetot, die Maus 😉 .

Mutter Superfly’s Omnia und Großvater John gehen auf Mäusejagd und zeigen den Welpen des Superfly’s S2-Wurfes, wie es geht. Bei dieser Ausbildung können sie zuerst einmal zusehen.

IMG_6097.jpg Auf zur Jagd, kiddis

Aufpassen, da hat sich etwas bewegt.

jagd.jpgAchtung, Konzentration!! Shiphra ist ganz dabei, Rute erhoben.

jagd1da hat sich was bewegt! Samuel in höchster Anspannung

Wirklich? Omnia lässt Samuel machen…Sarah und Shiphra schauen interessiert zu.

jagd2Konzentration, dass nichts entgeht

Da kommt John dazu und übernimmt das Ruder.  Lasst mal sehen….

jagd3Großvater John übernimmt mit seiner Erfahrung das Management

Und da ist schon das arme Mäuschen aufgeflogen.

jagd4Da ist die Maus!!

Und John zeigt, wie schnell er zupacken kann und muss.

jagd5Schnelligkeit ist gefragt, wenn die Beute nicht entkommen soll.

Aufmerksame Schüler…Noch einmal frei lassen, damit eine Wiederholung möglich ist und die Welpen es sich noch einmal ansehen können…

jagd6wieder ausspucken und laufen lassen

Und? Jetzt seid ihr dran, ich habe euch gezeigt wie es geht. John hält Abstand und überlässt die Maus den Schülern.

jagd7John überlässt die Beute und hält Abstand

Also puppies, ihr müsst schon mutig sein. John zeigt’s jetzt noch einmal. Beherztes Zupacken ist angesagt.

jagd8John macht es noch einmal vor

So geht das! Das arme Mäuschen muss herhalten.

jagd9.jpgSo zupacken! zeigt John

Achtung ! Sie läuft wieder. Und jetzt seid Ihr dran!

jagd10John lässt Maus wieder frei, damit sie es lernen

Und jetzt packt Omnia die Maus. Shiphra und Samuel schauen genau zu.

jagd11Omnia ist schnell und erfahren und zeigt es Shiphra und Samuel

Und nun wird Hetzjagd trainiert. Mit der Beute im Fang – deutlich sichtbar – läuft Omnia davon….

jagd12jetzt trainiert Omnia das Hetzen, in dem sie mit der Maus davon läuft

Omnia zeigt Sarah die Maus, warnt  aber (Weiss im Auge): Gucken ja, aber nicht mehr. Omnia entscheidet, wann und ob Sarah die Beute bekommt.

jagd13.jpgOmnia zeigt ihre Beute

Aber dann überlässt sie die Beute der Tochter, die sie in Sicherheit bringen will.

jagd14.jpgSarah hat die Maus…

Mit erhobener Rute in Sicherheit bringen…

jagd15.jpgSarah mit ihrer Beute

Da kommt Samuel und will die Maus auch.

jagd16Samuel versucht die Beute abspenstig zu machen

Überholen und von vorn versuchen an die Maus zu kommen…

jagd17Samuel kommt von rechts außen

… und hat Sarah gestellt und möchte die Beute stehlen

jagd18Sarah ist gestellt, geschafft, Samuel will die Beute stehlen

Da hat Samuel aber die Rechnung ohne Sarah gemacht…Die erwachsenen Hunde haben die Maus den Welpen überlassen und Sarah bringt ihre Beute in Sicherheit.

jagd19.jpgSarah bringt ihre Beute in Sicherheit

Die Fotoserie dokumentiert den Ablauf und tatsächlich haben sich John und Omnia nicht mehr um die Maus gekümmert.

Omnia hat sie ihrer Tochter überlassen, nachdem sie der Tochter deutlich gemacht hat, dass sie allein die Entscheidung hat, ob und wann sie die Beute abgibt.  Damit was die Schulung „Mäusejagd“ auch beendet.

Sarah hat die Maus dann irgendwo hingeschleppt….unlebendig, unbeweglich wurde sie schnell uninteressant.