Gene sind nicht alles!

Da haben wir doch alle gelernt, dass die Gene alles bestimmten. Ob Hunde nun gesund oder krank oder verhaltensgestört oder prädestiniert für bestimmte Anfälligkeiten sind, das würde durch die Gene bestimmt. Aber Gene sind eben nicht alles!

hundezucht.jpginstinktsichere Krita bei der „Brutpflege“

Alte englische Züchter haben immer gesagt: Die Stärke eines Zwingers liegt bei den Hündinnen. Was Züchter schon damals wussten, wird heute nach und nach erforscht.

Heute wird gerade eifrig geforscht inwieweit sich Vererbung von Erfahrungen neben dem Genom abspielt, wie Gene „ein“ oder „stumm“ geschaltet werden durch epigenetische Modifikationen. Sie sind die Voraussetzung für hochkomplexe Regulationsmechanismen, die sicherstellen, welche Gene einer Zelle gelesen werden können und welche nicht. Noch sind längst nicht alle epigenetischen Prozesse bekannt, die die Aktivität von Genen steuern.

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Bleiben wir bei den Hunden. Hierzu schreiben Dr. sc.nat. Andrea Weidt, Dina Berlowitz, Heinz Weidt u.a. folgendes:

  • Bei einem Welpen entscheiden also die vorausgegangenen epigenetischen Einflüsse bei den Elterntieren (und unter Umständen auch der vorherigen Generationen), die eigenen vorgeburtlichen Erfahrungen im Mutterleib sowie die Erfüllung seiner emotionalen Bedürfnisse während der Aufzucht und in der weiteren Welpen -/Jugend- zeit einschliesslich der Pubertät darüber, wie gut das in ihm stecken.

  • Eine gute Aufzucht besteht nicht nur darin, dass der einzelne Welpe alle nötigen Schutz und Versorgungsqualitäten erhält.Genauso wichtig ist die Erfüllung jener emotionalen Bedürfnisse,die ihn innerlich stark machen und die heikle Phase der Umgewöhnung nach der Welpenabgabe bestmöglich gelingen lassen. Dazu bedarf es keiner Hexerei sondern konkreten Faktenwissens.

  • Das Wissen um die Funktion und Wirkung der Epigenetik erübrigt das aussichtslose Suchen der Ursachen zahlreicher Mängel in den Genen. Denn sie liegen überwiegend in zivilisations-orientierten Umgangsformen mit ihren generationsübergreifenden epigenetischen Folgen.

MoodymitUlla5w.jpgMoody macht schon als Welpe positive Erfahrungen mit Menschen

Wenn wir das jetzt unter dem Aspekt der Haltung und Aufzucht von Whippets betrachten, dann wissen wir auch, das vorgeburtliche „Umwelteinflüsse und Erfahrungen“ sehr ernst genommen werden müssen.

Ich möchte hierzu die Ausführungen der o.g. Autoren unter Wissen – worauf es ankommt allen Mitbewerbern und Interessierten empfehlen.

Unvergessen berührend

Es war in den Zeiten vor dem Internet, als wir noch komplette Anleitungen schreiben mussten, weil es noch nicht so viele Informationen gab. Und damit auch alles richtig läuft bei der Eingewöhnung und der Fütterung, gab es auch Eingewöhnungs- und Fütterungsanweisungen für die neuen Welpenbesitzer. Ach, es war auch eine wunderbare Zeit, die den Kontakt von Besitzern zu Züchtern automatisch enger werden ließ.

Wie sehr Superfly’s (oder Koseilata’s) , in die Herzen ihrer Besitzer fliegen konnten, zeigt sich an den Erinnerungen und den manifestierten Zeichen…aber fangen wir am Anfang an.

Chancy.jpgChancy im Flogmodus ;-), Foto:Hundefoto.de

Christa Riebel schreibt:

Welpenfütterung oder die Sache mit „einer Tasse dreimal am Tag“

Mitte Juni 1995 erfüllte sich einer meiner größten Wünsche – ich nahm meinen ersten eigenen Hund mit nach Hause. Es war ein Whippetrüde mit Namen Superfly’s Upper Class aus dem Zwinger Superfly’s in Berlin.

Dieser junge Whippetrüde war der Neffe von Superfly’s Franky Furore, den ich als ersten Whippet überhaupt Mitte der Achtziger Jahre in Niedernhausen bei Wiesbaden bei meiner besten Freundin Gabriele Riese kennen lernte. Franky war ein toller Whippet, und so war ich natürlich begeistert als seine Wurfschwester nun einen Wurf hatte. Superfly’s Upper Class, mein Chancy, war der perfekte Whippet und ein toller Begleiter für mich, der beste Hund überhaupt.

Als ich ihn mit 9 Wochen abholte gab es natürlich viele gute und nützliche Tipps von der Züchterin Marianne Bunyan und ihrem Mann Holger Bunyan. Ich bekam auch ein Starterpaket mit Welpenfutter mit der Anleitung „So eine Tasse auf dreimal am Tag“. Naja, da hatte ich wohl nicht so richtig hingehört, denn ich hatte es so verstanden, dass ich Chancy dreimal am Tag eine Tasse füttern sollte!

chancyjunghund

Der gute kleine Kerl hat das auch tatsächlich fast immer ganz gefressen, aber ich war natürlich überaus besorgt, weil er ja nicht alles auffraß. Ich hatte ja regelmäßig Kontakt zu den Bunyans und schilderte dann auch meine Sorge – er frisst nicht auf, hoffentlich bekommt er keine Mangelerscheinungen – die Leiden des unerfahrenen Erst-Hundehalters. Zuerst konnten Bunyans überhaupt nicht verstehen was ich meinte, denn auf den Fotos, die ich von Chancy schickte, sah der junge Hund ganz prima aus. Aber ich jammerte immer weiter, er frisst nicht immer alles auf – bis Marianne und Holger auf einmal klar wurde, wo das Problem liegt – ich sollte die Tasse auf dreimal am Tag verteilt füttern, aber ich hatte ihm dreimal am Tag eine ganze Tasse in den Napf gefüllt! Schallendes Gelächter erfüllte den Raum, und dies wurde häufig als Anekdote erzählt! Chancy entwickelte sich übrigens zu einem prächtigen und tollen Whippetrüden, den ich niemals vergessen werde und der meine Liebe zu dieser Rasse für immer gefestigt hatte.“

Nicht nur unvergessen, sondern auch sichtbar geehrt.

erinnerungenanchancy Chancy war Christa’s erster Whippet und zu dem ersten, gibt es immer eine ganz besondere Bindung.

Nicht von ohnehin hat Christa ihr Refugium nach ihrem Chancy benannt, was mich sehr gerührt hat, ehrlich gesagt. Ein Windhundparadies, in der Tat

 

38531489_1168711109933698_5755288947240468480_oChancy ist natürlich der Bruder von U Be Mine, der auch für Daniela so tief im Herzen sitzt, dass sich sich den Namen ans Handgelenk tätowieren ließ. Das sind alles nach so vielen Jahren Beweise, dass ihre Whippets nie vergessen sind und auch auf eine besondere Weise geehrt werden.

Gibt es eine größere Auszeichnung für einen Züchter, wenn die Whippets einen solchen Eindruck bei Menschen hinterlassen?

chancycvhristaChrista mit ihrem Wuwu-Männchen

Chancy ist übrigens auch der Großvater von Koseilata’s Moody Blues

Jeanny, schon 12 1/2

Als ich die kleine Jeanny (Koseilata’s Billie Jane) jetzt gesehen habe, dachte ich, ich habe  Superfly’s Kickie Dee (Coco) vor Augen. Coco ist Jeanny’s Großmutter väterlicherseits, die Mutter von Ch.Superfly’s Victor Vance.

b_wurfKoseilata’s B2 Wurf, Jeanny zweite von rechts, Foto: Koseilatas

Kickie Dee war ein ganz besonderes Whippetmädchen, da fallen mir viele „Schandtaten“ ein. Absolut eigenständig, sehr anhänglich und mutig…und manches Mal außer Kontrolle 😉 . Aber nicht im negativen Sinne, einfach ganz schön whippet-irre.

Vom Aussehen und von der Größe und der gesamten Erscheinung war sie der Jeanny sehr, sehr ähnlich.

Whippet Jeanny.jpgJeanny im Dezember 2018 thront auf Herrchens Schoß

Genauso war auch Kickie Dee an ihren Robert angewachsen. Und Kopf und Augen waren beinahe identisch.

Es ist wirklich faszinierend wie Ähnlichkeiten über Generationen erhalten bleiben. Jeanny’s Großmutter wurde knapp 17 Jahre alt. Wenn sich die lange Lebenszeit genauso vererbt, wäre das wunderbar. Jedenfalls sieht Jeanny absolut fit aus.

03jeanny_2jJeanny beim Coursing

Jeanny war eine gute Courserin und erfüllte die Bedingungen für die Gebrauchshundklasse. Mit ihren 46 cm ist sie die klassische idealgroße Hündin, die das „Turn on a sixpence“ gut hinbekommen hat. Der allerbeste darin war Superfly’s Take That (Casey), der ein Sohn von Kickie Dee war. Casey konnte das sogar in der Luft. Wirklich absolut ein fliegender „auf dem Absatz“ drehender Whippet! Eigentlich die Vollendung des Standard-Leistungsziels.

Jeannie hat mich wieder erinnert durch die Ahnentafeln zu gehen und gedanklich die tollen Vorfahren noch einmal vor dem geistigen Auge präsent werden zu lassen.

Jeannie zwölf einhalb Jahre.jpgJeannie sollte noch viele Jahre an Herrchen kleben dürfen

Jeannie wünsche ich, dass sie noch viele Jahre gesund und munter an Herrchen kleben und auf ihm wohnen kann …so nach Kickie Dee Art. 😉