Schöne Whippetstory

Hier kommt eine wahre Geschichte von zwei Whippethündinnen, eine Koseilata’s und eine Superfly’s.   Als Jochen die Fotos suchte, da kullerten die Tränen. So wie es mir und sicher jedem anderen auch schon einmal ergangen ist, der irgendwie an einen seiner geliebten Whippets erinnert wurde.

DSC_1937 die schöne Kira, Foto: Jochen Schell

Kira und Luzie, eben

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Da gab es die schöne Kira, die Gestromte aus dem Q-Wurf Koseilata’s nach Taraly Malcolm X x Koseilata’s Innocent Child. Sie ist im zarten Welpenalter ausgezogen. Das kleine Glück wird auf Händen getragen.

Hinzu kam Luzie, Superfly’s Dancing the Dream, eine Tochter von Statuesque Extortion x Superfly’s Pickaninny, die ich nur gezwungenermaßen abgegeben habe, denn eigentlich sollte sie geplant bleiben. Und jedesmal, wenn ich Luzie sehe, dann sehe ich auch meine Ufo Superfly’s Euphoria ….

Winter 2005 0063_dxo.jpgKira und Luzie im Schnee, Foto: Jochen Schell

Ein Whippet ist nicht genug ;  also : Kira und Luzie lebten zusammen mit und bei ihren Besitzern bis zum Lebensende. Das ist die eine von vielen wunderbaren Geschichten, die das Leben mit Whippets geschrieben hat.

Es war einmal…

So beginnt sie  und dann folgten lange Jahre Whippetleben, Lebensfreude und alles was dazu gehört an Ausflügen und Spaziergängen. Und vor allem: Das gegenseitige Austricksen.

Whippets 0124_dxo.jpg gemeinsames Sonnenbaden, Foto: Jochen Schell

Und Kira und Luzie, Whippethündinnen, die zusammen lebten und sich arrangierten, aber auch ganz gern austricksten.

DSC_1922Zusammen aufgewachsen wurden die beiden nie wirklich ein Herz und eine Seele, Foto: Jochen Schell

Hundespaziergang 12_10_2009-10nebeneinander gelaufen, Foto: Jochen Schell

Whippets_2003_17miteinander gespielt, aber Kira findet es nicht witzig, dass Luzie die Scheibe will, Foto: Jochen Schell

DSC07670_dxozusammen in einem Korb, das ging ja noch gerade so, Foto: Jochen Schell

Aber der Lieblingssessel

Jochen erzählt dazu folgende Geschichte:

Kira und Luzie hatten einen Lieblingssessel. In dem lagen sie aber am liebsten alleine. Um in den alleinigen Genuss des Sessels zu kommen, haben beide ihre Stategien entwickelt. Wir hatten beiden Hunden beigebracht mit der Nase eine kleine Klingel neben der Tür anzustupsen, wenn sie nach draussen wollten. Normalerweise wurde geklingelt, wir öffneten die Tür und beide rannten gemeinsam in den Garten. Irgend wann begann Kira aber auch die Klingel zu betätigen, wenn Luzie im Lieblingssessel lag. Luzie sprang natürlich aus dem Sessel und rannte zur Tür, in freudiger Erwartung zusammen mit Kira im Garten zu toben. Aber anstatt mit Luzi in den Garten zu springen rannte Kira in die andere Richtung und sicherte sich ruckzuck den nun freien Sessel. Das wurde ein festes Ritual und Luzie fiel immer wieder auf die Masche herein.

Aber es dauerte nicht lange, dann hatte sich Luzie eine Retourkutsche ausgedacht. Kira war ein Quietschtierjunkie und sobald man auch nur aus Versehen auf solch ein Gummitier getreten ist kam sie mit Karacho angerauscht und wollte damit spielen. Wann immer Kira im Lieblingsessel lag und Luzie dort liegen wollte, suchte sie nach einem Quietschtier und sprang mit beiden Vorderpfoten darauf. Im selben Moment startete sie auch schon Richtung Sessel, die Wege der beiden Hunde kreuzten sich und Kira war die Verarschte.

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Das ist der Sessel, ganz selten lagen sie auch mal zusammen drin. Aber man sieht, dass sie sich beide nicht richtig wohl fühlen 😉 . Das ging auch nie lange gut, dann sprang eine der beiden heraus.

DSC_3165_DxO.jpggemeinsam, sind sie auch  alt geworden; Foto: Jochen Schell

DSC_6014_DxOKira (Koseilata’s Quell My Obsession) hier schon alt, aber mit wachen schönen Augen, Foto: Jochen Schell

DSC_2565_DxOLuzie, edel und schön bis ins Alter, Foto: Jochen Schell

DSC_6007_DxO Und das ist der typische „Superfly’s “ Ausdruck der Augen, auch im hohen Alter, Foto: Jochen Schell

Als Kira und Luzie dann nacheinander alt und 16 Jahre wurden kam eine traurige Zeit, aber keine der beiden Hündinnen musste eingeschläfert werden, sondern beide sind in den Armen ihrer Besitzer friedlich eingeschlafen ohne Schmerzen und ohne Qualen. Darüber sind Jochen und Sabine am meisten froh.

Eine so schöne Erinnerung an ein gemeinsames Zusammenleben mit Kira und Luzie. Vielen Dank für die schönen Fotos.

Nachruf Joachim Kiack (Almansor’s)

Ich sehe es als traurige Verpflichtung an, hier etwas über den mir vertrautesten Whippetkenner, Whippetzüchter und Whippetrichter zu schreiben.

joachim kiack_photo Joachim Kiack 11.2.1951 – 25.1.2019

Doch fangen wir vorn an. Als wir jung waren, lernten wir uns 1967 kennen. Joachim war 17 und ich 18. Über ein einhalb Jahre warb er um mich, beständig und beharrlich. Was einer seiner Charakterzüge geblieben ist bis zu seinem Lebensende. 1969 entwickelte sich eine Liebe, die auch bis zum Lebensende hielt. Unabhängig von all unseren menschlichen Schwächen, Fehlern und Entscheidungen riss das Band niemals wirklich ab. Und wir beide haben uns immer wieder an die unbeschwerte Zeit unserer Jugend und Ehe erinnert und wir beide haben unsere Fehler bereut und uns gewünscht, dass wir – wie wir es uns versprochen hatten – niemals auseinander gehen wollten. Faktisch ist das dann zwar passiert, aber in unseren Herzen blieben wir verbunden.

Die gemeinsame Liebe zu den Whippets

Wir kamen auf den Hund und 1974 auf den Whippet.  Und unsere dauerhafte Liebe zu den Whippets nahm ihren Lauf. Der Zwinger „Almansor’s“ wurde gegründet auf unser beider Namen und später von Joachim Kiack allein weiter geführt. Der erste Wurf Almansor fiel an  Ostersonntag 1976!

Die Erfolge seiner Almansor’s konnten mit der Importhündin Eng. Ch. Silkstone Finesse als Stammhündin seinen Typ von Whippet manifestieren und die erfolgreichen Nachkommen brachten ihm internationale Anerkennung als Züchter.

Seine Richterausbildung zum Spezialrichter der Rasse Whippet folgte und dann seine Einsätze als Zuchtrichter im Ausland und im Inland.

kiackJoachim Kiack beim Richten, Foto: Gilbert Simal

Manchmal begleitete ich ihn und immer stellte ich fest, dass er sich nicht von seiner Meinung über einen Hund beirren ließ. Er sah mit Kennerauge und bewertete, was er anhand des Standards beurteilte. Wir haben oft und viel diskutiert und seine Urteile waren fair und ehrlich. Er richtete, wie er es für richtig hielt und nahm keinerlei Rücksicht darauf, ob seine Urteile künftig weitere Einladungen zum Richten beeinflussen könnten. Da war er beharrlich und richtete nicht politisch. In Sachen Whippet fällte er seine Urteile unabhängig von Konsequenzen. Er wies sogar einen sehr bekannten Mitbewerber wegen des miserablen Zustands der Zähne des ausgestellten Whippets zurecht. Sozusagen urteilte er ohne Ansehen der Person. Das ist nicht Eigensinn, sondern eine selten gewordene Charakterstärke.

Joachim war Whippetmann und zwar ein ausgezeichneter und er legte keinen großen Wert darauf Gruppenrichter zu werden, nur damit er öfter eingeladen werden konnte, obwohl er so gern richtete. Er liebte Whippets und liebte es sehr, sie zu richten. Das war seine Priorität in den letzten Jahren, als er selbst nicht mehr ausstellte

almansor40-432.jpg2014 konnte Joachim sein 40 jähriges Zwingerjubiläum feiern. Almansor’s war eine kleine Zuchtstätte mit wenigen ausgesuchten Würfen und trotzdem herausragenden Erfolgen. Hier bestätigte sich Joachim’s Umsetzung seiner Idee am deutlichsten. Basierend auf englischen Importen und zentriert auf Silkstone und Oakbark blieb er dem klassischen Whippet treu.

Erfolgreiche Whippets bei und von Almansor’s

Silkstone Finesse

finesse.GB CH – UK/English Conformation Champion , C.I.B. – INTERNATIONAL BEAUTY CHAMPION, DE CH (VDH) – VDH Deutscher Champion,WCD Deutscher Schönheits-Champion

Oakbark Midnight Mint

midnightmint.

EU W 1998 – FCI European Winner 1998
NL CH – Dutch Conformation Champion
Int, German (WCD), German KC (VDH), Swedish & Dutch Ch; VDH European Winner 1998, Club Winner 1996
Almansor’s Ironman

ironman

C.I.B. – INTERNATIONAL BEAUTY CHAMPION
NL CH – Dutch Conformation Champion
DE CH (VDH) – VDH Deutscher Champion
SE CH – Swedish Conformation Champion
Int, German (WCD), Swedish & Dutch Ch, Clubwinner NWC 2004
Silkstone Secret Gold
secretgolg
DE CH (VDH) – VDH Deutscher Champion
DE CH (DWZRV) – DWZRV Deutscher Schönheits-Champion
Clubwinner NWC 2003, DWZRV Jahressieger 2004, Res. CC Crufts 2003
Almansor’s Intel Inside
intel
SE CH – Swedish Conformation Champion
Int, German (WCD), Swedish Ch, Jugendwinner Amsterdam 1997, Europa-Jugendsieger (VDH) 1998
 
Almansor’s Local Hero
hero
ESH 2006 – FCI Euro Sighthound 2006
SE CH – Swedish Conformation Champion
Int, German KC (VDH), German (DWZRV), Dutch & Swedish Ch; Jahressieger (DWZRV) 2005, Europasieger 2006, FCI Euro-Sighthound 2006, Winner Donaueschingen 2005/2006; LS Sachsen 2003, LS Berlin-Brandenburg 2003/2004

Andenken und Gedenken

Joachim Kiack war das, was man einen breeder-handler-judge nennen kann, also einen Spezialisten für Whippets aus Deutschland der alles praktizierte. Und davon gibt es nicht allzuviele mit so langjähriger Erfahrung.

achim1Joachim Kiack mit Almansor’s Petshop Boy, Foto: Detlef Hahn

Es war ihm ein großes Vergnügen und er war ja immer auch ein fröhlicher Mensch und hatte Freude am Leben und natürlich an seinen Hunden. Aber er nahm alles wie es kam. Und das mit sehr viel Langmut. Tapfer war er und bescheiden . Er war geduldig und trug nicht nach, er war versöhnlich und liebevoll, sensibel und warmherzig, vorurteilslos . Und deshalb waren auch Whippets genau seine Rasse.  Es gab viele Ähnlichkeiten ;-). Allerdings konnte Joachim noch nie so aus sich heraus und wurde oft falsch eingeschätzt.

Freunde fürs Leben
Wie oft haben wir gelacht, diskutiert, gestritten und wie oft war „Sendepause“ , aber immer, wenn es schwierige oder bewegende Ereignisse zu berichten gab, dann waren wir wieder die alten Freunde. So erging es seinen langjährigen Freunden. Achim drängte sich nicht auf. Es waren nur eine handvoll, aber diese kann man wahrhaftig als Freunde bezeichnen. All diesen sei herzlich gedankt.

Andreas und Petra Reschke (Eurostar’s) waren ein Segen  für Joachim besonders in den letzten Wochen und waren für ihn mit aller Liebe da . Joachim’s Hunde haben dort ihren endgültigen Platz gefunden, genauso wie Andreas, der ihn seit 40 Jahren kannte, es ihm versprochen hatte. Und nicht zu vergessen Sylvia Dreilich, die sich zuletzt intensiv Tag und Nacht gekümmert hat.

„Was soll ich ohne meine Hundchen machen“

sagte Joachim immer. Sie waren ein Trost und eine Freude bis zu letzt.

Joachim’s Wunsch war es, dass niemand etwas erfahren sollte von seiner kurzen schweren Krankheit. Er ist plötzlich aber friedlich entschlafen. Und wir werden sein Andenken und seinen Wunsch bewahren.

Und natürlich trauern wir um einen Menschen, um einen Freund und um einen echten Whippetliebhaber, der authentisch war und blieb. Achim eben!

Gene sind nicht alles!

Da haben wir doch alle gelernt, dass die Gene alles bestimmten. Ob Hunde nun gesund oder krank oder verhaltensgestört oder prädestiniert für bestimmte Anfälligkeiten sind, das würde durch die Gene bestimmt. Aber Gene sind eben nicht alles!

hundezucht.jpginstinktsichere Krita bei der „Brutpflege“

Alte englische Züchter haben immer gesagt: Die Stärke eines Zwingers liegt bei den Hündinnen. Was Züchter schon damals wussten, wird heute nach und nach erforscht.

Heute wird gerade eifrig geforscht inwieweit sich Vererbung von Erfahrungen neben dem Genom abspielt, wie Gene „ein“ oder „stumm“ geschaltet werden durch epigenetische Modifikationen. Sie sind die Voraussetzung für hochkomplexe Regulationsmechanismen, die sicherstellen, welche Gene einer Zelle gelesen werden können und welche nicht. Noch sind längst nicht alle epigenetischen Prozesse bekannt, die die Aktivität von Genen steuern.

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Bleiben wir bei den Hunden. Hierzu schreiben Dr. sc.nat. Andrea Weidt, Dina Berlowitz, Heinz Weidt u.a. folgendes:

  • Bei einem Welpen entscheiden also die vorausgegangenen epigenetischen Einflüsse bei den Elterntieren (und unter Umständen auch der vorherigen Generationen), die eigenen vorgeburtlichen Erfahrungen im Mutterleib sowie die Erfüllung seiner emotionalen Bedürfnisse während der Aufzucht und in der weiteren Welpen -/Jugend- zeit einschliesslich der Pubertät darüber, wie gut das in ihm stecken.

  • Eine gute Aufzucht besteht nicht nur darin, dass der einzelne Welpe alle nötigen Schutz und Versorgungsqualitäten erhält.Genauso wichtig ist die Erfüllung jener emotionalen Bedürfnisse,die ihn innerlich stark machen und die heikle Phase der Umgewöhnung nach der Welpenabgabe bestmöglich gelingen lassen. Dazu bedarf es keiner Hexerei sondern konkreten Faktenwissens.

  • Das Wissen um die Funktion und Wirkung der Epigenetik erübrigt das aussichtslose Suchen der Ursachen zahlreicher Mängel in den Genen. Denn sie liegen überwiegend in zivilisations-orientierten Umgangsformen mit ihren generationsübergreifenden epigenetischen Folgen.

MoodymitUlla5w.jpgMoody macht schon als Welpe positive Erfahrungen mit Menschen

Wenn wir das jetzt unter dem Aspekt der Haltung und Aufzucht von Whippets betrachten, dann wissen wir auch, das vorgeburtliche „Umwelteinflüsse und Erfahrungen“ sehr ernst genommen werden müssen.

Ich möchte hierzu die Ausführungen der o.g. Autoren unter Wissen – worauf es ankommt allen Mitbewerbern und Interessierten empfehlen.