Unvergessen berührend

Es war in den Zeiten vor dem Internet, als wir noch komplette Anleitungen schreiben mussten, weil es noch nicht so viele Informationen gab. Und damit auch alles richtig läuft bei der Eingewöhnung und der Fütterung, gab es auch Eingewöhnungs- und Fütterungsanweisungen für die neuen Welpenbesitzer. Ach, es war auch eine wunderbare Zeit, die den Kontakt von Besitzern zu Züchtern automatisch enger werden ließ.

Wie sehr Superfly’s (oder Koseilata’s) , in die Herzen ihrer Besitzer fliegen konnten, zeigt sich an den Erinnerungen und den manifestierten Zeichen…aber fangen wir am Anfang an.

Chancy.jpgChancy im Flogmodus ;-), Foto:Hundefoto.de

Christa Riebel schreibt:

Welpenfütterung oder die Sache mit „einer Tasse dreimal am Tag“

Mitte Juni 1995 erfüllte sich einer meiner größten Wünsche – ich nahm meinen ersten eigenen Hund mit nach Hause. Es war ein Whippetrüde mit Namen Superfly’s Upper Class aus dem Zwinger Superfly’s in Berlin.

Dieser junge Whippetrüde war der Neffe von Superfly’s Franky Furore, den ich als ersten Whippet überhaupt Mitte der Achtziger Jahre in Niedernhausen bei Wiesbaden bei meiner besten Freundin Gabriele Riese kennen lernte. Franky war ein toller Whippet, und so war ich natürlich begeistert als seine Wurfschwester nun einen Wurf hatte. Superfly’s Upper Class, mein Chancy, war der perfekte Whippet und ein toller Begleiter für mich, der beste Hund überhaupt.

Als ich ihn mit 9 Wochen abholte gab es natürlich viele gute und nützliche Tipps von der Züchterin Marianne Bunyan und ihrem Mann Holger Bunyan. Ich bekam auch ein Starterpaket mit Welpenfutter mit der Anleitung „So eine Tasse auf dreimal am Tag“. Naja, da hatte ich wohl nicht so richtig hingehört, denn ich hatte es so verstanden, dass ich Chancy dreimal am Tag eine Tasse füttern sollte!

chancyjunghund

Der gute kleine Kerl hat das auch tatsächlich fast immer ganz gefressen, aber ich war natürlich überaus besorgt, weil er ja nicht alles auffraß. Ich hatte ja regelmäßig Kontakt zu den Bunyans und schilderte dann auch meine Sorge – er frisst nicht auf, hoffentlich bekommt er keine Mangelerscheinungen – die Leiden des unerfahrenen Erst-Hundehalters. Zuerst konnten Bunyans überhaupt nicht verstehen was ich meinte, denn auf den Fotos, die ich von Chancy schickte, sah der junge Hund ganz prima aus. Aber ich jammerte immer weiter, er frisst nicht immer alles auf – bis Marianne und Holger auf einmal klar wurde, wo das Problem liegt – ich sollte die Tasse auf dreimal am Tag verteilt füttern, aber ich hatte ihm dreimal am Tag eine ganze Tasse in den Napf gefüllt! Schallendes Gelächter erfüllte den Raum, und dies wurde häufig als Anekdote erzählt! Chancy entwickelte sich übrigens zu einem prächtigen und tollen Whippetrüden, den ich niemals vergessen werde und der meine Liebe zu dieser Rasse für immer gefestigt hatte.“

Nicht nur unvergessen, sondern auch sichtbar geehrt.

erinnerungenanchancy Chancy war Christa’s erster Whippet und zu dem ersten, gibt es immer eine ganz besondere Bindung.

Nicht von ohnehin hat Christa ihr Refugium nach ihrem Chancy benannt, was mich sehr gerührt hat, ehrlich gesagt. Ein Windhundparadies, in der Tat

 

38531489_1168711109933698_5755288947240468480_oChancy ist natürlich der Bruder von U Be Mine, der auch für Daniela so tief im Herzen sitzt, dass sich sich den Namen ans Handgelenk tätowieren ließ. Das sind alles nach so vielen Jahren Beweise, dass ihre Whippets nie vergessen sind und auch auf eine besondere Weise geehrt werden.

Gibt es eine größere Auszeichnung für einen Züchter, wenn die Whippets einen solchen Eindruck bei Menschen hinterlassen?

chancycvhristaChrista mit ihrem Wuwu-Männchen

Chancy ist übrigens auch der Großvater von Koseilata’s Moody Blues

Jeanny, schon 12 1/2

Als ich die kleine Jeanny (Koseilata’s Billie Jane) jetzt gesehen habe, dachte ich, ich habe  Superfly’s Kickie Dee (Coco) vor Augen. Coco ist Jeanny’s Großmutter väterlicherseits, die Mutter von Ch.Superfly’s Victor Vance.

b_wurfKoseilata’s B2 Wurf, Jeanny zweite von rechts, Foto: Koseilatas

Kickie Dee war ein ganz besonderes Whippetmädchen, da fallen mir viele „Schandtaten“ ein. Absolut eigenständig, sehr anhänglich und mutig…und manches Mal außer Kontrolle 😉 . Aber nicht im negativen Sinne, einfach ganz schön whippet-irre.

Vom Aussehen und von der Größe und der gesamten Erscheinung war sie der Jeanny sehr, sehr ähnlich.

Whippet Jeanny.jpgJeanny im Dezember 2018 thront auf Herrchens Schoß

Genauso war auch Kickie Dee an ihren Robert angewachsen. Und Kopf und Augen waren beinahe identisch.

Es ist wirklich faszinierend wie Ähnlichkeiten über Generationen erhalten bleiben. Jeanny’s Großmutter wurde knapp 17 Jahre alt. Wenn sich die lange Lebenszeit genauso vererbt, wäre das wunderbar. Jedenfalls sieht Jeanny absolut fit aus.

03jeanny_2jJeanny beim Coursing

Jeanny war eine gute Courserin und erfüllte die Bedingungen für die Gebrauchshundklasse. Mit ihren 46 cm ist sie die klassische idealgroße Hündin, die das „Turn on a sixpence“ gut hinbekommen hat. Der allerbeste darin war Superfly’s Take That (Casey), der ein Sohn von Kickie Dee war. Casey konnte das sogar in der Luft. Wirklich absolut ein fliegender „auf dem Absatz“ drehender Whippet! Eigentlich die Vollendung des Standard-Leistungsziels.

Jeannie hat mich wieder erinnert durch die Ahnentafeln zu gehen und gedanklich die tollen Vorfahren noch einmal vor dem geistigen Auge präsent werden zu lassen.

Jeannie zwölf einhalb Jahre.jpgJeannie sollte noch viele Jahre an Herrchen kleben dürfen

Jeannie wünsche ich, dass sie noch viele Jahre gesund und munter an Herrchen kleben und auf ihm wohnen kann …so nach Kickie Dee Art. 😉

Quietschvergnügt bis zum Ende

Als ich den Gesundheitsbogen für meine Diva (Dreamchamber Easy To Love) ausfüllte, kam mir wieder die ganze Geschichte hoch.

Immer fröhlich und allerbester Dinge raste sie noch am Tag zuvor über die Wiesen und sprang nach dem Ball, wetzte mit den anderen Dreien in ihrem Eifer Krita immer zuvor zu kommen in ihrer typischen „durchgeknallten“ Begeisterung in großen Kreisen mit der Beute davon, mit verschmitztem Blick aus dem Seitenwinkel. Zu Hause angekommen machte sie das übliche Konzert mit ihren Quietschtierchen. Sie hatte das, nach ihrer sozialen Genesung mit Ufo’s (Superfly’s Euphoria) Wurf entdeckt und ich sah keinen Grund darin, ihr das zu verbieten.
Da haben Holger und ich eine andere Sichtweise auf Quietschepüppchen…

diva quietsche

Diva und ihr Mäuschen, Foto: Nina Liefert-Pulm

diva 04092006

Was für die Welpen gedacht war, brachte Diva eine große Erleichterung und sie baute mit dem Quietschen Stress ab, Foto: Nina Liefert-Pulm

Das behielt sie seit dem bei. Immer, wenn sie freudig erregt war, machte sie es. Vor dem Spaziergang, vor dem Fressen, wenn ich nach Abwesenheit heim kam oder morgens aufstand. Schon früh am Morgen malträtierte sie ihr Spielzeug, wenn ich nur wach wurde. Dann sprang sie herum und entlockte dem Quietschi im Sekundentakt alle Töne, die es hergeben konnte.

whippethündinnen diva und krita

Diva mit ihrer Tochter Superfly’s Krita

Diva war also absolut präsent, schon durch die akustische Untermalung ihrer Lebensfreude.

Das war auch das Tragische, dass die Totenstille nach ihrem Tod dann umso lauter war.

Einen Tag nach ihrem normalen Tagesausflug war Diva morgens auffällig: sie wollte nicht fressen und bequietschte ihr Püppchen nicht . Sofort zum Tierarzt und geröngt, Vergrößerung des Herzens festgestellt, Diagnose? und dann ging es von Stund an abwärts. Trotz Versorgung am Tropf, konnte sie nicht stabilisiert werden. Wenige Stunden später:

Diva lag in ihrem Körbchen neben mir, die anderen Hunde beobachteten und kamen ab und an schnüffeln als Diva in den letzten Atemzügen hing. Nein, es war zum Glück kein Aufbäumen, kein Schrei, kein Winden, nichts…der Atem versiegte. Sie war einfach tot.

Erst die Sektion ergab, dass es sich um einen bösartigen Gewebetumor handelte, der durchgebrochen war.

Als Todesursache ergibt sich für das Tier ein akutes Herzversagen aufgrund eines ruptierten Hämangiosarkoms des rechten Herzrohres mit nachfolgender Herzbeuteltamponade. Mit zunehmender Blutfülle des Herzbeutels, wir die Herzaktion immer weiter eingeschränkt, bis es zum Herzstillstand und zum Erliegen des Kreislaufs kommt.

Das liest sich verständlich und schildert nüchtern die Fakten. Alles klar, so waren die Fakten. Der Verstand begreift das….

divaportrait

Diva nachdem sie das erste Mal Mutter wurde

Es war ein weiter Weg, bis Diva endlich Vertrauen fassen konnte und bis sie zu einem quietschvergnügten Whippet wurde. Diva ist der erste und einzige Whippet von mir, der von allein starb. Das hat eine ganz andere Qualität, vor allem wenn es so plötzlich kommt und man dem Hund nichts vorher anmerkt.

oceandiva

Diva mit ihrem Söhnchen Superfly’s Ocean Dream

Aber der Trost ist, dass Diva bei mir ein gutes, fröhliches Leben haben durfte und es sichtlich genoss. Sie war eine wundervolle leidenschaftliche Mutter, eine echte verrückte Whippethündin im Freien und zu Hause quietschvergnügt bis zum Ende.