Die Welt braucht Whippets

Als ich eben dieses wunderschöne Video A day in the life of a very happy Whippet (or two) von Alex Sally mit Juno und Bert (nun weiß ich wie die beiden glücklichen Whippetjungs heißen) gesehen habe, nicht ein oder zweimal, nein ich könnte es hundert Mal sehen und es würde mir die gleiche Freude machen, habe ich gesucht und gefunden. Ich habe mich bedankt für diese schöne Arbeit und den wirklich sehr guten Film. Seine Antwort: „Die Welt braucht Whippets.“

51V5aJW0B5LAlex Sally hat auch dieses kindle Büchlein verfasst, dass ich soeben mit Vergnügen gelesen habe.

Sein trockener Humor in Verbindung mit seiner Liebe zu den Whippets macht dieses Buch so lesenswert. Titel und Untertitel sprechen schon für sich und die Auszüge aus den Tagebüchern seiner Jungs sind so treffend und genau und an einigen Stellen hatte ich genau die passenden eigenen Hunde vor meinen Augen.

Aber nicht nur Amusement wird verteilt, sondern es gibt auch Lehrreiches und ist ein sehr gutes Büchlein für Menschen, die sich für den Besten Hund der Welt interessieren. Sie sind gewarnt.

So beschreibt er die Auswahl eines Welpen wie folgt:

„Schauen Sie sich die Mutter an. Ein Whippet, der geliebt wird, erkennen Sie auf den ersten Blick.“

Deshalb möchte ich es hier empfehlen und hoffe es erfreut jeden genauso wie mich. Hatte ich vergessen zu erwähnen: Es ist natürlich in englisch.

 

Vereitelte Zuchtpläne

Was hatte ich für Pläne! Novi (Superfly‘s Promise of Change) erhielt ihren Rufnamen, weil sie langersehnt im November geboren wurde. Um genau zu sein am 17. November 2008, also vor 10 Jahren und ein paar Tagen.

novi1.jpgNovi (Superfly’s Promise of Change) ist eine Tochter von Superfly’s Krita

Dass Novi Novi heißt, hatte sie also dem Umstand zu verdanken, ein Novemberwelpe zu sein. Als Patrick und Jutta nun ihren Sohn erwarteten, der im August geboren werden sollte, wagte ich die vorsichtige Anfrage nach dem Namen; ob der Junge nicht etwa August……? Nein zum Glück wurde ein Titus daraus 🙂

Novi war für die Zucht eingeplant, weil sie mehrere Qualitäten aufweist, die genau in meine Vorstellung von einem Whippet passen:

  • absolut wesenssicher
  • prädestinierte Rudelchefin
  • loyal zum Besitzer
  • liebenswürdig
  • standardgerecht
  • typisches Gangwerk
  • Idealmaß
  • fit und gesund
  • heterozygoter Genotyp

Ausgesucht als Partner hatte ich den zuckersüßen Superfly‘s Silas (Vayu), der in allen Punkten Novi ähnelt bis auf den Chef-Anspruch. Er hat ein sanftes Wesen, und ist noch immer aus dem Häuschen, wenn er mich nur sieht. Und er hat ebenfalls ein tolles Gangwerk.

silasstand

silas-gangwerk_Superfly’s Silas (Vayu) im Stand und in der Bewegung Fotos: Ina Beckmann

 

Aber nicht immer geht alles nach Plan

All die wunderbaren Charaktere und Whippets vereint und das mit unbedenklichem Inzuchtkoeffizienten von 7,84% auf 5 Generationen bei sehr gemäßigter Linienzucht. Wirklich alles super passend.

Leider konnte der Wurf nicht zustande kommen,

  • weil dem Rüden im Welpenalter die Zahnanlage zerstört wurde, als er von einem Pitbull gebissen wurde.
  • Er konnte deshalb nicht angekört werden.
  • Novi (und Sahara) bekamen plötzlich Probleme mit Hüfte und Rücken.
  • Sie konnte deshalb nicht angekört werden.

 

Der gesundheitliche Aspekt stand also einer Zuchtumsetzung entgegen. Es gab keine wirkliche Erklärung für das Lahmen, also im Zweifel besser nie.

Heute ist der Grund für die Beeinträchtigungen klar, denn Novi und Sahara mussten täglich im Büro über zu glatte Böden und zu viele Treppen rutschen. Seit gut einem Jahr sind beide bürobefreit und sie rennen und laufen wieder ganz normal.  Die Fitness beider Hündinnen hat sich sozusagen „wie von selbst“ wieder hergestellt.

Fazit

Der Mensch meint ja, er hätte immer alles in der Hand und könnte alles wunderbar planen und kontrollieren. Wenn einmal nicht alles nach Plan verläuft, dann hat er ein großes Problem.

Aber alles hat auch immer etwas Positives. Dann kommt man nämlich wieder runter von seinem hohen Ross und muss erkennen, dass eben doch nichts in seiner Hand liegt.

 

 

 

Welpen testen ihre Grenzen

Die kleine und harmlose Fotoserie könnte dennoch interessant sein, besonders für künftige Welpenbesitzer. Denn das, was Beauty (Koseilata’s Mombasa Beauty) hier mit Superfly’s Shiphra macht, das macht auch jeder Welpe mit seinem neuen Menschen.

Das Ausloten der Möglichkeiten

Wie weit kann er gehen, wie viele Ermahnungen sind nötig, wann und wie begreift er, wo die Grenzen sind?

img_5868

Shiphra döst und die kleine Beauty entdeckt ein Objekt der Begierde. Sie starrt es an, das Ohr

Der Spaß mit der Ohrgeschichte hat jedoch einen ernsten Hintergrund. Was man mit bloßem Auge nicht wahrnehmen kann, hält die Kamera fest. Das soll uns zeigen, dass wir die kleinsten Gesten und mimischen Facetten unserer Hunde gar nicht wirklich immer erkennen und dass die Verständigung zwischen den Hunden wesentlich subtiler ist, als wir es uns gemeinhin vorstellen.

Fotoserie zur Dokumentation

Ich empfehle die Fotos und die Bildunterschriften genau anzusehen und zu lesen.

Oft sagen Hundebesitzer nämlich „es war doch gar nichts„ , wenn sie ein Verhalten ihres Hundes nicht erklären können. Es ist aber immer etwas! Und wenn es nur diese kleine Fotoserie ist, so sehen wir schon hier, was sich zwischen dem Welpen und der 1 jährigen Shiphra tatsächlich abspielt.

Es gibt auch Hundebesitzer, die einem Welpen so gar nichts zutrauen. Er ist ja noch so klein! Im Alter von acht Wochen hat ein Welpe bereits die Verhaltens-Grundausstattung für ein Leben im Rudel erlernt und ihm wird von den übrigen Hunden viel Freiraum gelassen, aber in der Sozialisierungsphase muss das Verhaltensrepertoire vervollkommnet werden. Dafür gibt es innerartlich strikte Regeln und glasklare Grenzen. Wenn die überschritten werden, dann muss der Welpe die Konsequenzen tragen. Das geht manchmal auch mit Schrecksekunden oder Schmerzensschreien einher, was den Lernerfolg in den meisten Fällen jedoch dauerhaft festigt.

Immer wird vorher gewarnt,

  • durch Blicke,
  • Lefzen hochziehen,
  • Züngeln,
  • Nase kräuseln oder
  • Knurren.

Das Fixieren mit einem festen Blick in eine ernste Verwarnung. Für den Menschen sieht das jedoch harmlos aus, wenn er die Hundesprache nicht kennt. Doch der Welpe wird immer gewarnt. Wer aber nicht aufpassen kann oder will, muss eben fühlen, wenn er Signale und Warnungen ignoriert. Erziehung innerhalb des Rudels fällt differenziert aus. In der Regel werden Unterordnung spielerisch geübt, sowohl von der Mutter als auch den anderen älteren Hunden im Züchterhaushalt. Je nach Temperament und Charakter der Hunde und Lernerfolg des Welpen sind „harte Maßnahmen“ in der Regel selten. Je aufsässiger ein Welpe trotz Verwarnung ist, je härter fällt dann schon einmal die „Maulschelle“ aus. Ganz ohne geht es in der Fotoserie aus.

Shiphra hat eine Engelsgeduld

Es war klar, dass Beauty ihren Gelüsten nicht widerstehen kann. Sie macht eine Ohr-beute und packt fest zu.

img_5870

Shiphra bleibt regungslos liegen mit halb geschlossenen Augen, während Beauty das Ohr kostet

img_5869

die spitzen Milchzähne werden tiefer eingegraben und tun richtig weh, Shiphra erträgt es noch geduldig…

img_5871

..hebt dann leicht den Kopf, die Mundwinkel leicht verkürzt und leichtes Züngeln; Warnung an das Fräulein, das vom Ohr ablässt, sich aber ansonsten unbeeindruckt zeigt…

img_5872

…und sogar noch die Pfote auflegt, um auch die Tiefen der Ohrmuschel zu ergründen…

img_5873

die Warnung noch in ihren Ohren, deshalb Beauty’s Seitenblick, kaut sie aber trotzdem weiter…als Shiphra nicht reagiert… probieren, wie weit das Spiel gehen kann

img_5874

…wird Beauty dreister und stopft ihre Nase komplett in Shiphra’s Ohr, Shiphra’s Augen sind halb geschlossenimg_5875 Shiphra öffnet ganz leicht die Augen, Beauty kaut genüsslich und immer fester…da Shiphra nicht reagiert…

img_5877

nutzt das Beauty aus, ihre Äuglein blitzen selbstsicher, die Pfote liegt näher an der Ohr-„Beute“…

img_5878

..oh, das lässt sich sogar aufrollen!….Shiphra bleibt gelassen…und hat große Geduld

img_5882

Shiphra hebt den Kopf, zeigt das etwas Weiss im Auge (leichte Warnung), Beauty schert sich nicht und kaut weiter…

img_5883

Beauty wird immer unverschämter…während Shiphra wieder platt liegen bleibt. Beauty treibt es bis zum Äußeren und beißt richtig zu, hält mit der Pfote fest

img_5884

…und Beauty kaut und kaut…Shiphra ist unglaublich nachsichtig

img_5885

Shiphra hebt leicht den Kopf vom Boden…Beauty hält inne und ist aufmerksam geworden

img_5886

Shiphra erhebt den Kopf, das veranlasst Beauty wegzuschauen…bloß keine Provokation jetzt

img_5888

Shiphra wendet sich Beauty zu…diese ist in Hab-acht-Haltung

img_5890

Shiphra zeigt mehr Weiss im Auge als Drohung, Beauty hat das Signal gelesen und macht sich klein…kneift ihre Augen zu

img_5891

Beauty versucht es mit Schön-Wetter-Betteln, aber Shiphra fixiert sie mit starrem Blick und hat die Pfote zum Aufspringen bereit…

img_5892

Das war unmissverständlich! Beauty beschwichtigt mit Züngeln und trollt sich

Welpen verstehen subtile Warnungen

Mutter Yoda (Koseilata’s Yodas Sister) hätte sich das nicht mehr so geduldig gefallen lassen. Sobald Welpen älter als 8 Wochen sind, hört in der Regel die grenzenlose Toleranz gegenüber dem Nachwuchs auf. Dann muss er lernen, dass Grenzen einzuhalten sind, damit das harmonische Zusammenleben im Rudel reibungslos und friedlich funktioniert. Shiphra ist selbst noch jung und verspielt, aber auch sie macht deutlich: Was zu weit geht, geht zu weit.

Hinweis für Interessierte und Züchter: Der Beitrag kann gern geteilt werden mit Quellenangabe. © Marianne Bunyan