Gentests Allheilmittel?

Da haben wir gerade über die Vererbung außerhalb der Vererbung gesprochen in dem Beitrag Gene sind nicht alles mit Links zu entsprechenden Veröffentlichungen, aber die dringenden Empfehlungen sind derzeit Gentests in der Hundezucht. D.h. hier wird entgegen der neuen Erkenntnisse ausschließlich auf die Gene verwiesen.

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1 Woche alte Welpen von Superfly’s Omnia’s S2-Wurf; alles wirkt zusammen. Eine sorgfältige Planung der Verpaarung anhand nserer lebendigen Ahnentafeln ist m.E. eine sehr gute Voraussetzung.

Als ein Segen für die Hundezucht werden Gentests im Schweizer Hundemagazin in Bezug auf die Hundezucht wir folgt beschrieben:

Das Beste jedoch ist die Möglichkeit, die Hunde auf die Mutationen einiger Krankheiten testen zu lassen. Anhand des Testergebnisses können die Verpaarungen sorgfältig geplant werden, sodass keine kranken Welpen mehr geboren werden. Richtig eingesetzt sind Gentests ein Segen für die Rassezucht, wie das Beispiel von Mayumi zeigt.

Ich wiederhole im Fettdruck: Anhand des Testergebnisses können die Verpaarungen sorgfältig geplant werden, sodass keine kranken Welpen mehr geboren werden.

Wer das jetzt liest und sich nicht viel über Genetik informiert, könnte zu der Annahme gelangen: Testet alle Zuchttiere und die Gesundheit der Welpen ist euch sicher. Zumindest werben die Labore so oder so ähnlich um neue Kunden.

Immer alles prüfen!

In diesem Zusammenhang fand ich einen ganz interessanten Artikel, den ich auszugsweise übersetzt wiedergeben möchte:

Auszug des Artikels Pet genomics medicine runs wild von Lisa Moses, Steve Niemi and Elinor Karlsson dazu sagen, veröffentlicht in Nature, Internationales Magazin der Wissenschaft:

Tiergenommedizin schießt ins Kraut

Gentests für Hunde sind ein großes Geschäft.
Genetik ist eine der neuesten Ergänzungen in dieser boomenden Branche. Weltweit vermarkten mindestens 19 Laboratorien Produkte für Gentests. Einige Tierärzte verwenden die Ergebnisse, um bei der Diagnose kranker Haustiere zu helfen oder um zu empfehlen, dass gesunde Tiere teuren und manchmal invasiven Tests unterzogen werden, wie z. B. Knochenmarkbiopsien. Einige Hundezüchter verwenden die Tests, um die Häufigkeit von Erbkrankheiten zu reduzieren.

Gentests für Hunde sind ein großes Geschäft. Es ist zu einfach für Unternehmen, falsche Hoffnungen zu verkaufen…Weder ihre Genauigkeit noch ihre Fähigkeit, Gesundheitsergebnisse vorherzusagen, wurden validiert. Die meisten Tierärzte wissen nicht genug über die Einschränkungen der Studien oder über die Genetik im Allgemeinen, um besorgte Besitzer beraten zu können….Wir glauben, dass drei Hauptprobleme die Gentests von Haustieren in ihrem jetzigen Zustand plagen.

Fehlende Validierung

Sowohl bei Menschen als auch bei Tieren ist die Zuordnung von genetischen Varianten zum Krankheitsrisiko eine unglaubliche Herausforderung. Die meisten genetischen Tests für Hunde basieren jedoch auf Studien mit Kandidatengenen, was ein problematischer Ansatz ist. In solchen Studien testen Forscher eine Handvoll menschlicher oder tierischer Gene auf Mutationen, die sowohl einem erwarteten Vererbungsmuster entsprechen als auch pathogen erscheinen, zum Beispiel weil sie die Struktur eines exprimierten Proteins beeinflussen….

In der Veterinärmedizin ist keine solche sorgfältige Neubewertung erfolgt. Viele der 200 von Unternehmen angebotenen Tests basieren nur auf einer einzigen kleinen Kandidatengenstudie (siehe beispielsweise go.nature.com/2nquntx). Die erhobenen Daten werden selten veröffentlicht. Die Informationen sind auch nicht für die Kontextualisierung der Ergebnisse erforderlich. Anbieter, die sich mit den Eigentümern befasst haben, um die Genauigkeit der Gesundheitsvorhersagen ihrer Tests zu überprüfen, haben Fallstudien mit einer kleinen Anzahl von Hunden gemeldet, aber es waren keine Skalen erforderlich, um statistisch verlässliche Ergebnisse zu liefern.

Auf den gleichen Artikel der o.g. Tierärzten nahm die Süddeutsche Zeitung in einem Beitrag von Kathrin Zinkant Gentests für Hunde sind für die Katz Bezug.

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Timmy (Koseilata’s Three Times a Lady), hier im Foto 15 Jahre alt, ist jetzt über 16 Jahre alt und war 10 Jahre, als er den Superfly’s S2 Wurf zeugte Foto: Eva-Maria Krämer

Hundezucht ist kein bequemer Weg

Das Problem an sich: Menschen, die Hunde lieben und sie deshalb züchten, sind in der Regel natürlich daran interessiert, gesunde Hunde aufzuziehen, doch nicht jeder ist an dem Basis-Werkzeug Genetik interessiert. Genau deshalb mögen die vorgeschlagenen und möglichen Tests in bestimmten Fällen helfen und von Vorteil sein. Aber…(ich mag kein Aber, doch hier scheint es angebracht zu sein.)

Die Gefahr liegt m.E. nach all meiner Erfahrung halt auch mit Züchtern und Menschen ganz wo anders: Noch weniger Interesse an dem Werkzeug Genetik haben zu müssen und sich auf Tests verlassen zu können,könnte ein sehr verführerischer und sehr bequemer Weg sein.

Wiederum möchte ich betonen, dass ein gewisses Maß an Studium und notwendiger Kenntnisse unerlässlich sind, damit man nicht einfach nur nachplappert und tut, sondern selber denken, erfahren, einschätzen und prüfen gelernt hat.

Vorfreude auf Shiphra’s Babies

Menschen-Babys dürfen nun bis zur Geburt abgetrieben werden. Nicht nur im US Senat gibt es dafür teilweise sogar Applaus. Dazu bin ich sprachlos, wenn ich nur daran denke, wie wir um einen Welpen gebangt haben, der nicht überleben konnte, wie hat man gelitten, um ein Welpchen?
Selbst wenn es nur eine Handvoll Hund ist, so gibt es doch keine größere Freude für uns Züchter und Hundebesitzer in spe, als sich auf eine Geburt zu freuen.

Omnia als neugeborenes Whippetmädchen

Shiphra geht es prima und sie fängt jetzt an mehr zu fressen und die schöne Unterlinie ist auch futsch. Sie schläft viel und das darf sie auch. Jetzt soll sie Ruhe haben und eine gute Zeit, die sie selbst ganz gelassen und erfahren angehen lässt.

Wenn ich mal ein paar Tage Urlaub vom Schreiben mache, dann braucht es das, denn es passiert einfach zu viel. Und alles Schöne und auch Traurige verlangt Auszeiten.

Mit diesem Foto von Shiphra am See ist die Ruhe eingefangen. Ruhe für Gedanken und Vorfreude, für Gefühl und Besinnung.

amseeShiphra am See

Also einfach einmal still sein :-).

 

 

 

 

 

Hundehaltung ein Menschenrecht ?

41dV7pAas8L._SX319_BO1,204,203,200_Ich lese gerade das Buch Hund & Mensch von Kurt Kotrschal, Professor an der Universität Wien, das hochgelobt wurde in den Rezensionen.

Vielleicht bin ich auch viel zu tief in der Materie Hund&Mensch verankert, dass ich keine Ohs und Ahs beim Lesen hervorbringen kann. Kotrschal hat zu dem eine völlig andere Weltsicht und es stört mich einfach beim Lesen.

Was interessant ist, sind seine Ausführungen zu den Mensch-Wolf-Hund Beziehungen und sein Plädoyer für die Hundehaltung. Deshalb möchte ich das Buch empfehlen, das im Zentrum  getroffene „objektive Aussagen“ über Hunde enthält.

Sellenverwandtschaft ist Fakt

Dass eine Seelenverwandtschaft zwischen Mensch und Hund besteht, dass wissen wir langjährigen Hundefreunde eh.

Wie viele Menschen habe ich kennengelernt, die wirklich einen Hund dringend gebraucht haben, die wirklich in einer wundervollen Einheit mit ihm gelebt haben und leben, wo sowohl Hund&Mensch von einander profitieren.

Wie viele unserer Whippets gerade in dem Moment zu ihren passenden Menschen gekommen sind, als sie sie am dringendsten brauchten, habe ich oft geschrieben. Von der emotionalen gegenseitigen Verbundenheit leben einige Menschen noch, die sich längst wegen sozialer Isolation oder Krankheit aufgegeben hätten.

Die Lebensfreude und das gemeinsame Erleben in der Natur und eben alles, was einen Hund ausmacht, sind natürlich ein besonderes Highlight. Dann wenn der Hund um seines einzigartigen Wesens willen geliebt wird und Struktur, Aufgabe und  Bewegung, soziale Kontakte, Aufmerksamkeit und Fröhlichkeit in das Leben seines Menschen bringt, kann auch seine Leichtigkeit den Alltag versüßen.

welpeundhand.JPGMensch&Hund, Welpe Superfly’s Razzmatazz pfötelt

Wie oft habe ich die strahlenden Gesichter glücklicher „Hundeeltern“ gesehen, wenn sie über ihren Hund erzählen. Und genauso die Traurigen, die keinen Hund halten dürfen, gerade einen verloren haben oder nicht mehr halten können.

Die soziale Intelligenz und Kooperationsbereitschaft der Hunde ist zwar direktes Wolfserbe, aber Hunde stellen sie eben in den Dienst der Menschen.

fasst es Kotrschal zusammen. Genau das ist es. Hunde dienen uns. Auch wenn sie nicht als „Gebrauchshunde“ gehalten werden, so brauchen Menschen Hunde als Familienmitglieder,  Gesellschafter, einfach als Lebewesen mit den vorbildlichsten Fähigkeiten zur Teambildung und als sozialer Gefährte und Hunde sind dazu allzeit und bereit und brauchen ihrerseits den Menschen.

Also wäre die logische Forderung: Hundehaltung als Menschenrecht auch aus wissenschaftlicher Sicht bestätigt.