Whippet wippt eben

Ich weiss nicht, wer sich noch erinnern kann an das Gangwerk des Whippets? Ich meine jetzt nicht das, was wir im Showring sehen, sondern wenn wir Whippets unterwegs treffen. Es ist der im leichten Trab daher kommende Hund, der wie kein anderer gehen kann. Wenn seine Pfoten sich vom Boden abstemmen, dann kann man das vergleichen mit einem Pingpongball, der auf dem Boden auftippt vorwärst springt und wieder auftippt und vorwärts springt…

Die ganze Bewegung des Whippets im leichten Trott ist nicht platt oder statisch, es ist wie ping pong. Die geforderte Antriebskraft der Hinterhand zeigt sich eben in der sprungfederartigen aufwärts-vorwärts-Bewegung .

Der Whippet wippt eben. Unter wippen finden wir im Duden: sich federnd, ruckartig auf und ab bewegen…

Ergänzend zum Gangwerk des Whippets

Das gehört zu dem daisy cutting – Gangwerk dazu, denn jede Bewegung kommt aus der Hinterhand. Die Pfotenballen sind stark und gut gepolstert, der Schub entwickelt sich aus der passenden Winkelung der Gelenke und der Muskelkraft. Was hinten wie ein Propeller losgetreten wird, muss sich über den Rücken fortsetzten und von der Vorhand aufgefangen werden. Deshalb müssen alle Körperteile harmonisch zu einander passen. Wiederum erklärt sich deshalb, warum in der Zucht und im Richten alle Übertreibungen vermieden werden sollen.

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Kenia (Koseilata’s African Queen), Whippethündin harmonisch im Bau und im Gangwerk in der Schwebephase erwischt, keine Pfote berührt den Boden ! Foto: Eva-Maria Krämer

Alles wird zuviel

Alles wird aus Gründen des Geschmacks übertrieben, es wird zu viel, zu schwer, zu lang. Was schön aussieht und gefällt entscheidet sich oft im Showring. Unter dem Eindruck des Richtens der Whippets an der Westminster Show 2019 musste ich feststellen als jemand, der die Zuchtentwicklung nun schon ein paar Jahrzehnte im Blick hat, dass es sich bei den Hunden dort im Ring überwiegend um die verkleinerte Ausgabe des Greyhounds handelt. Amerika ist nicht unser Vorbild für den FCI Standard, aber hier können wir lernen. Alles sieht schön, gepflegt, trainiert und für das Auge appetitlich angerichtet aus. Aber: Sind das Umrißlinien eines Whippets?
Der F.C.I.Standard hat ausdrücklich folgendes hervorgehoben:

Bildschirmfoto von 2019-02-15 12-03-53

KÖRPER : Obere Linie: Anmutiger Bogen im Bereich der Lendenpartie, aber nicht bucklig. Rücken : Breit, gut bemuskelt, kernig, eher lang (Wobei eher lang nicht ellenlang heißt, sondern sich ungefähr an der Standardillustration orientiert) siehe Abbildung.

Untere Profillinie und Bauch : Deutlich aufgezogen

Ich bin gespannt, was an der Cruft’s im Heimatland der Rasse dieses Jahr gezeigt wird.

pingpong

Ein Foto kann keine Vorstellung davon geben, wie ein Whippet wippt 😉

Wenn ein Whippet so gebaut ist, wie es eigentlich der Standard will und alle Übertreibungen so weit wie möglich vermieden werden, dann ergibt sich ein anderes Bild. Wir können zwar alle schon weit in der Ferne die Silhouette eines jeglichen Windhundes erkennen, aber an seiner Bewegung und dem typischen „Wippen“ erkennen wir sofort, dass es ein Whippet ist.

Schön, wenn das erhalten bliebe.

Nachruf Joachim Kiack (Almansor’s)

Ich sehe es als traurige Verpflichtung an, hier etwas über den mir vertrautesten Whippetkenner, Whippetzüchter und Whippetrichter zu schreiben.

joachim kiack_photo Joachim Kiack 11.2.1951 – 25.1.2019

Doch fangen wir vorn an. Als wir jung waren, lernten wir uns 1967 kennen. Joachim war 17 und ich 18. Über ein einhalb Jahre warb er um mich, beständig und beharrlich. Was einer seiner Charakterzüge geblieben ist bis zu seinem Lebensende. 1969 entwickelte sich eine Liebe, die auch bis zum Lebensende hielt. Unabhängig von all unseren menschlichen Schwächen, Fehlern und Entscheidungen riss das Band niemals wirklich ab. Und wir beide haben uns immer wieder an die unbeschwerte Zeit unserer Jugend und Ehe erinnert und wir beide haben unsere Fehler bereut und uns gewünscht, dass wir – wie wir es uns versprochen hatten – niemals auseinander gehen wollten. Faktisch ist das dann zwar passiert, aber in unseren Herzen blieben wir verbunden.

Die gemeinsame Liebe zu den Whippets

Wir kamen auf den Hund und 1974 auf den Whippet.  Und unsere dauerhafte Liebe zu den Whippets nahm ihren Lauf. Der Zwinger „Almansor’s“ wurde gegründet auf unser beider Namen und später von Joachim Kiack allein weiter geführt. Der erste Wurf Almansor fiel an  Ostersonntag 1976!

Die Erfolge seiner Almansor’s konnten mit der Importhündin Eng. Ch. Silkstone Finesse als Stammhündin seinen Typ von Whippet manifestieren und die erfolgreichen Nachkommen brachten ihm internationale Anerkennung als Züchter.

Seine Richterausbildung zum Spezialrichter der Rasse Whippet folgte und dann seine Einsätze als Zuchtrichter im Ausland und im Inland.

kiackJoachim Kiack beim Richten, Foto: Gilbert Simal

Manchmal begleitete ich ihn und immer stellte ich fest, dass er sich nicht von seiner Meinung über einen Hund beirren ließ. Er sah mit Kennerauge und bewertete, was er anhand des Standards beurteilte. Wir haben oft und viel diskutiert und seine Urteile waren fair und ehrlich. Er richtete, wie er es für richtig hielt und nahm keinerlei Rücksicht darauf, ob seine Urteile künftig weitere Einladungen zum Richten beeinflussen könnten. Da war er beharrlich und richtete nicht politisch. In Sachen Whippet fällte er seine Urteile unabhängig von Konsequenzen. Er wies sogar einen sehr bekannten Mitbewerber wegen des miserablen Zustands der Zähne des ausgestellten Whippets zurecht. Sozusagen urteilte er ohne Ansehen der Person. Das ist nicht Eigensinn, sondern eine selten gewordene Charakterstärke.

Joachim war Whippetmann und zwar ein ausgezeichneter und er legte keinen großen Wert darauf Gruppenrichter zu werden, nur damit er öfter eingeladen werden konnte, obwohl er so gern richtete. Er liebte Whippets und liebte es sehr, sie zu richten. Das war seine Priorität in den letzten Jahren, als er selbst nicht mehr ausstellte

almansor40-432.jpg2014 konnte Joachim sein 40 jähriges Zwingerjubiläum feiern. Almansor’s war eine kleine Zuchtstätte mit wenigen ausgesuchten Würfen und trotzdem herausragenden Erfolgen. Hier bestätigte sich Joachim’s Umsetzung seiner Idee am deutlichsten. Basierend auf englischen Importen und zentriert auf Silkstone und Oakbark blieb er dem klassischen Whippet treu.

Erfolgreiche Whippets bei und von Almansor’s

Silkstone Finesse

finesse.GB CH – UK/English Conformation Champion , C.I.B. – INTERNATIONAL BEAUTY CHAMPION, DE CH (VDH) – VDH Deutscher Champion,WCD Deutscher Schönheits-Champion

Oakbark Midnight Mint

midnightmint.

EU W 1998 – FCI European Winner 1998
NL CH – Dutch Conformation Champion
Int, German (WCD), German KC (VDH), Swedish & Dutch Ch; VDH European Winner 1998, Club Winner 1996
Almansor’s Ironman

ironman

C.I.B. – INTERNATIONAL BEAUTY CHAMPION
NL CH – Dutch Conformation Champion
DE CH (VDH) – VDH Deutscher Champion
SE CH – Swedish Conformation Champion
Int, German (WCD), Swedish & Dutch Ch, Clubwinner NWC 2004
Silkstone Secret Gold
secretgolg
DE CH (VDH) – VDH Deutscher Champion
DE CH (DWZRV) – DWZRV Deutscher Schönheits-Champion
Clubwinner NWC 2003, DWZRV Jahressieger 2004, Res. CC Crufts 2003
Almansor’s Intel Inside
intel
SE CH – Swedish Conformation Champion
Int, German (WCD), Swedish Ch, Jugendwinner Amsterdam 1997, Europa-Jugendsieger (VDH) 1998
 
Almansor’s Local Hero
hero
ESH 2006 – FCI Euro Sighthound 2006
SE CH – Swedish Conformation Champion
Int, German KC (VDH), German (DWZRV), Dutch & Swedish Ch; Jahressieger (DWZRV) 2005, Europasieger 2006, FCI Euro-Sighthound 2006, Winner Donaueschingen 2005/2006; LS Sachsen 2003, LS Berlin-Brandenburg 2003/2004

Andenken und Gedenken

Joachim Kiack war das, was man einen breeder-handler-judge nennen kann, also einen Spezialisten für Whippets aus Deutschland der alles praktizierte. Und davon gibt es nicht allzuviele mit so langjähriger Erfahrung.

achim1Joachim Kiack mit Almansor’s Petshop Boy, Foto: Detlef Hahn

Es war ihm ein großes Vergnügen und er war ja immer auch ein fröhlicher Mensch und hatte Freude am Leben und natürlich an seinen Hunden. Aber er nahm alles wie es kam. Und das mit sehr viel Langmut. Tapfer war er und bescheiden . Er war geduldig und trug nicht nach, er war versöhnlich und liebevoll, sensibel und warmherzig, vorurteilslos . Und deshalb waren auch Whippets genau seine Rasse.  Es gab viele Ähnlichkeiten ;-). Allerdings konnte Joachim noch nie so aus sich heraus und wurde oft falsch eingeschätzt.

Freunde fürs Leben
Wie oft haben wir gelacht, diskutiert, gestritten und wie oft war „Sendepause“ , aber immer, wenn es schwierige oder bewegende Ereignisse zu berichten gab, dann waren wir wieder die alten Freunde. So erging es seinen langjährigen Freunden. Achim drängte sich nicht auf. Es waren nur eine handvoll, aber diese kann man wahrhaftig als Freunde bezeichnen. All diesen sei herzlich gedankt.

Andreas und Petra Reschke (Eurostar’s) waren ein Segen  für Joachim besonders in den letzten Wochen und waren für ihn mit aller Liebe da . Joachim’s Hunde haben dort ihren endgültigen Platz gefunden, genauso wie Andreas, der ihn seit 40 Jahren kannte, es ihm versprochen hatte. Und nicht zu vergessen Sylvia Dreilich, die sich zuletzt intensiv Tag und Nacht gekümmert hat.

„Was soll ich ohne meine Hundchen machen“

sagte Joachim immer. Sie waren ein Trost und eine Freude bis zu letzt.

Joachim’s Wunsch war es, dass niemand etwas erfahren sollte von seiner kurzen schweren Krankheit. Er ist plötzlich aber friedlich entschlafen. Und wir werden sein Andenken und seinen Wunsch bewahren.

Und natürlich trauern wir um einen Menschen, um einen Freund und um einen echten Whippetliebhaber, der authentisch war und blieb. Achim eben!

Gangwerk des Whippets und Gänseblümchen

Oh wie tun sich doch viele Whippetfreunde heute schwer, ein korrektes und wundervolles Whippetgangwerk zu erkennen!

Fangen wir vorn an. Als britische Rasse liefert das Ursprungsland auch ganz typische Redewendungen mit, so soll das Gangwerk des Whippets „daisy cutting“ sein. Man könnte das sinngemäß mit Gänseblümchen schneiden übersetzen.

Was haben Gänseblümchen mit dem Gangwerk des Whippets zu tun?  Schauen wir einmal.

daisy Gänseblümchen stehen auf Stielen und die Blüte ragt über die Grasnarbe hinaus

Also wenn, wir die Umschreibung Gänseblümchen schneiden verstehen wollen, sehen wir uns einmal Gänseblümchen genauer an.

gansblumchen-3255958_640 Gänseblümchen in Nahaufnahme

Die Blüte steht auf einem langen Stiel. Wenn Gänseblümchen geschnitten werden, dann wird nur die Blüte gekappt, d.h. bis zur Grasnarbe ist eine ganze Menge Platz.

Das herausragende Merkmal eines effektiven, wirtschaftlichen, gesunden Whippetgangwerks ist die Mühelosigkeit der Bewegung im Trab bei gleichbleibender Spannung der Oberlinie; mit der geringsten Anstrengung, viel Boden wettmachen ohne den Boden zu stampfen. Anders gesagt mit dem geringsten Kraftaufwand den größtmöglichen Boden wettmachen.

Birgit Wamberg (Fairway Whippets) hat immer das Whippetgangwerk als wichtigstes Merkmal bei der Beurteilung im Fokus gehabt und es so ähnlich beschrieben:

Wenn der Whippet richtig geht, ist es so, als würde der Boden unter ihm dahin gleiten, der Whippet bleibt nahezu unangestrengt von der Aktion.

Will sagen, man sieht ihm keinerlei Anstrengung an. Er quält sich nicht dabei, er trabt wie es sein Körperbau zulässt.

Hier habe ich einen Schnappschuss von Superfly’s Shiphra , die natürlich geht, frei und ungezwungen. Ich zeige das Bild deshalb, weil zwischen Holzboden und Pfoten genauso viel Luft ist, wie die gedachten Gänseblümchen hoch wären. Sie würde also nur die Köpfe rasieren.

gw shiphra Superfly’s Shiphra in ungezwungenem typischen daisy cutting Whippet-Gangwerk. Übrigens ist auch die eher waagerechte Kopfhaltung in der Trabbewegung ganz whippettypisch.

Der Mythos von Reach & Drive

Auch ist das in der Showszene inzwischen viel zu oft „bewunderte“ und „gepriesene“ und( m.E. antrainierte und) forcierte Gangwerk mit enormem Vortritt und  ausgreifendem Schub auch beim Whippet angekommen., wie man auf Facebook sehen kann. Das ist für einen Whippet unangemessen. Er besitzt nicht den Körperbau dafür, bzw. sollte nicht so umgezüchtet werden, dass er mit Reach & Drive gehen kann. Dann ist er kein Windhund mehr! Zuchtziel Whippet verfehlt. Würde man einen Galopper vor den Sulki spannen?

Genau das macht man, wenn man das  Reach&Drive-Gangwerk lobt. Es ist nicht „beautiful“ oder  „breathtaking“ , es ist absolut whippetuntypisch.  Das gehört zu den Trabern: Bestes Beispiel Deutscher Schäferhund, der sich ausdauernd zum Sieg traben muss und ihm die Zunge aus dem Hals hängt.

Es gehört nicht zu einem Whippet! Windhunde sind keine Ausdauer-Traber!! sondern Galopper.

Dari (Koseilata’s Dark Side of The Moon) zeigt in diesem Foto genau, was ich meine: Müheloses  Dahingleiten. Der Hundekörper liegt ruhig, kein Hecheln, Rückenschwung bleibt, daisy cutting action, gleiche Schrittweite Vortritt und Schub, viel Bodengewinn, tadellos und whippettypisch.

darimc3bcnster2016_juleDari bei der Vorführung im Ring, Foto: Jule Bertelsbeck

Wenn ein Whippet nach den Standardanforderungen gezüchtet ist, dann braucht es keinerlei Übertreibungen, dann ist er perfekt in allen Punkten und kann auch mit müheloser Schrittweite viel Boden gewinnen und dabei seine Oberlinie in der Bewegung behalten.

Also Denken Sie einfach bei der Beurteilung des Whippetgangwerks immer nur an die Gänseblümchen, deren Köpfe beim Laufen abgeschnitten werden. 😉 .