Gangwerk des Whippets und Gänseblümchen

Oh wie tun sich doch viele Whippetfreunde heute schwer, ein korrektes und wundervolles Whippetgangwerk zu erkennen!

Fangen wir vorn an. Als britische Rasse liefert das Ursprungsland auch ganz typische Redewendungen mit, so soll das Gangwerk des Whippets „daisy cutting“ sein. Man könnte das sinngemäß mit Gänseblümchen schneiden übersetzen.

Was haben Gänseblümchen mit dem Gangwerk des Whippets zu tun?  Schauen wir einmal.

daisy Gänseblümchen stehen auf Stielen und die Blüte ragt über die Grasnarbe hinaus

Also wenn, wir die Umschreibung Gänseblümchen schneiden verstehen wollen, sehen wir uns einmal Gänseblümchen genauer an.

gansblumchen-3255958_640 Gänseblümchen in Nahaufnahme

Die Blüte steht auf einem langen Stiel. Wenn Gänseblümchen geschnitten werden, dann wird nur die Blüte gekappt, d.h. bis zur Grasnarbe ist eine ganze Menge Platz.

Das herausragende Merkmal eines effektiven, wirtschaftlichen, gesunden Whippetgangwerks ist die Mühelosigkeit der Bewegung im Trab bei gleichbleibender Spannung der Oberlinie; mit der geringsten Anstrengung, viel Boden wettmachen ohne den Boden zu stampfen. Anders gesagt mit dem geringsten Kraftaufwand den größtmöglichen Boden wettmachen.

Birgit Wamberg (Fairway Whippets) hat immer das Whippetgangwerk als wichtigstes Merkmal bei der Beurteilung im Fokus gehabt und es so ähnlich beschrieben:

Wenn der Whippet richtig geht, ist es so, als würde der Boden unter ihm dahin gleiten, der Whippet bleibt nahezu unangestrengt von der Aktion.

Will sagen, man sieht ihm keinerlei Anstrengung an. Er quält sich nicht dabei, er trabt wie es sein Körperbau zulässt.

Hier habe ich einen Schnappschuss von Superfly’s Shiphra , die natürlich geht, frei und ungezwungen. Ich zeige das Bild deshalb, weil zwischen Holzboden und Pfoten genauso viel Luft ist, wie die gedachten Gänseblümchen hoch wären. Sie würde also nur die Köpfe rasieren.

gw shiphra Superfly’s Shiphra in ungezwungenem typischen daisy cutting Whippet-Gangwerk. Übrigens ist auch die eher waagerechte Kopfhaltung in der Trabbewegung ganz whippettypisch.

Der Mythos von Reach & Drive

Auch ist das in der Showszene inzwischen viel zu oft „bewunderte“ und „gepriesene“ und( m.E. antrainierte und) forcierte Gangwerk mit enormem Vortritt und  ausgreifendem Schub auch beim Whippet angekommen., wie man auf Facebook sehen kann. Das ist für einen Whippet unangemessen. Er besitzt nicht den Körperbau dafür, bzw. sollte nicht so umgezüchtet werden, dass er mit Reach & Drive gehen kann. Dann ist er kein Windhund mehr! Zuchtziel Whippet verfehlt. Würde man einen Galopper vor den Sulki spannen?

Genau das macht man, wenn man das  Reach&Drive-Gangwerk lobt. Es ist nicht „beautiful“ oder  „breathtaking“ , es ist absolut whippetuntypisch.  Das gehört zu den Trabern: Bestes Beispiel Deutscher Schäferhund, der sich ausdauernd zum Sieg traben muss und ihm die Zunge aus dem Hals hängt.

Es gehört nicht zu einem Whippet! Windhunde sind keine Ausdauer-Traber!! sondern Galopper.

Dari (Koseilata’s Dark Side of The Moon) zeigt in diesem Foto genau, was ich meine: Müheloses  Dahingleiten. Der Hundekörper liegt ruhig, kein Hecheln, Rückenschwung bleibt, daisy cutting action, gleiche Schrittweite Vortritt und Schub, viel Bodengewinn, tadellos und whippettypisch.

darimc3bcnster2016_juleDari bei der Vorführung im Ring, Foto: Jule Bertelsbeck

Wenn ein Whippet nach den Standardanforderungen gezüchtet ist, dann braucht es keinerlei Übertreibungen, dann ist er perfekt in allen Punkten und kann auch mit müheloser Schrittweite viel Boden gewinnen und dabei seine Oberlinie in der Bewegung behalten.

Also Denken Sie einfach bei der Beurteilung des Whippetgangwerks immer nur an die Gänseblümchen, deren Köpfe beim Laufen abgeschnitten werden. 😉 .

Jeanny, schon 12 1/2

Als ich die kleine Jeanny (Koseilata’s Billie Jane) jetzt gesehen habe, dachte ich, ich habe  Superfly’s Kickie Dee (Coco) vor Augen. Coco ist Jeanny’s Großmutter väterlicherseits, die Mutter von Ch.Superfly’s Victor Vance.

b_wurfKoseilata’s B2 Wurf, Jeanny zweite von rechts, Foto: Koseilatas

Kickie Dee war ein ganz besonderes Whippetmädchen, da fallen mir viele „Schandtaten“ ein. Absolut eigenständig, sehr anhänglich und mutig…und manches Mal außer Kontrolle 😉 . Aber nicht im negativen Sinne, einfach ganz schön whippet-irre.

Vom Aussehen und von der Größe und der gesamten Erscheinung war sie der Jeanny sehr, sehr ähnlich.

Whippet Jeanny.jpgJeanny im Dezember 2018 thront auf Herrchens Schoß

Genauso war auch Kickie Dee an ihren Robert angewachsen. Und Kopf und Augen waren beinahe identisch.

Es ist wirklich faszinierend wie Ähnlichkeiten über Generationen erhalten bleiben. Jeanny’s Großmutter wurde knapp 17 Jahre alt. Wenn sich die lange Lebenszeit genauso vererbt, wäre das wunderbar. Jedenfalls sieht Jeanny absolut fit aus.

03jeanny_2jJeanny beim Coursing

Jeanny war eine gute Courserin und erfüllte die Bedingungen für die Gebrauchshundklasse. Mit ihren 46 cm ist sie die klassische idealgroße Hündin, die das „Turn on a sixpence“ gut hinbekommen hat. Der allerbeste darin war Superfly’s Take That (Casey), der ein Sohn von Kickie Dee war. Casey konnte das sogar in der Luft. Wirklich absolut ein fliegender „auf dem Absatz“ drehender Whippet! Eigentlich die Vollendung des Standard-Leistungsziels.

Jeannie hat mich wieder erinnert durch die Ahnentafeln zu gehen und gedanklich die tollen Vorfahren noch einmal vor dem geistigen Auge präsent werden zu lassen.

Jeannie zwölf einhalb Jahre.jpgJeannie sollte noch viele Jahre an Herrchen kleben dürfen

Jeannie wünsche ich, dass sie noch viele Jahre gesund und munter an Herrchen kleben und auf ihm wohnen kann …so nach Kickie Dee Art. 😉

schwarz weiß Malerei

Wenn es um die Farben bei Whippets geht, dann gilt, dass ein guter Hund keine Farbe hat. Und trotzdem hatten wir unsere heimlichen Lieblings-Zwingerfarben ;-).

Während Koseilata’s mit den Weißen erfolgreich war, lag meine Vorliebe bei den dunkelgestromten Mantelschecken.

superflyszuchtgruppeSuperfly’s Zuchtgruppe, Foto: Roberto

Von links nach rechts: Superfly’s Swinging Soulman, Ch.Superfly’s Pickaninny und Superfly’s Xy as Ecstasy

Eine Zuchtgruppe sollte nicht nur im Typ, sondern aus in der Farbe möglichst identisch sein. Sie sollte auch möglichst aus mindestens drei Hunden bestehen, die auch noch möglichst von unterschiedlichen Elterntieren sind, aber trotzdem einen einheitlichen Zwingertyp repräsentieren.

  • Soulman aus Superfly’s Our Own Obsession x Superfly’s Atreju My Sun
  • Pickaninny aus Superfly’s Foxy Lady x Superfly’s Killing Joke
  • Xy aus Superfly’s Swinging Soulman x Superfly’s Pickaninny

Eine erfolgreiche Zuchtgruppe entsprechend der Anforderungen und noch dazu beinahe perfekt in Farbton, Abzeichen und Farbverteilung ist bei Whippetschecken schwer zu erreichen.

Seltene Farben bei Koseilata’s

Aber es gab auch schwarz und blau bei Koseilata’s 😉  durch den schwarzen Taraly Malcolm X. L Einmal die wunderschöne Yana.

queen YanaKoseilata’s Queen Yana, links kanpp 13 jährig, Fotos: koseilatas

Und dann der blaue Koseilata’s Quincy Jones (Quincy). Hier mit seinem Kumpel Never (Koseilata’s Never Say Never Again).

never _Quincyhinten Quincy vorn Never, Foto: Betty Haspel

Und weil es so schön und selten war, hier noch einmal Quincy’s Rückenansicht, die wirklich entzücken kann.

quincyein schöner Rücken, kann entzücken, Quincy, Foto: Betty Haspel

Farbe allein ist jedoch nicht das Auswahlkriterium, sondern nur ein zusätzlicher Bonus.

Und deshalb gibt es bei Koseilata’s keine Favorisierung für eine bestimmte Farbe in der Zucht. Und der Rasse-Standard des Whippets gewährt uns diesbezüglich auch alle Freiheit.