Whippetzucht mit Minihündin

Als ich die kleine Koseilata’s Iman  das erste Mal sah, war ich entzückt. Ja entzückt ist der richtige Ausdruck. Nein, wie süß, wie klein, wie leicht. Schwupps auf den Schoß gehoben mit einer Hand, goldiges Whippchen. Denn mit der Leichtigkeit ging auch ihr Charme einher. Charme haben leider nicht mehr alle Whippets. Ich meine damit den Vorwitz, das Niedliche, die „fragenden“ aufmerksamen Augen: was machen wir jetzt?

iman11Koseilata’s Iman, Foto: koseilata’s

Und deshalb wirkte Iman auf mich so bezaubernd und „delicate“. Iman inspirierte mich zu dem Artikel Der Whippet im Deutschen Windhundzuchtbuch Band 44.
Aber fangen wir vorn an.

Am nächsten Tag war die Verbandssieger Ausstellung 2012 in Köln und Holger drückte mir Iman in die Hand, unvorbereitet musste ich mit ihr in den Ring. Also hatte ich da eine Mini-Whippethündin am Band in der Jugendklasse, die aber sofort mitmachte, fröhlich, munter und quicklebendig. Nach dem Motto: was machen wir jetzt, ok, alles cool, dann mal los Iman eben.

iman_11mKoseilata’s Iman als Exot im Ausstellungsring, etwas gestresst, weil das ungewohnte Stillstehen nichts für sie war , Foto: Greyhoundshow

Wieder mit der Höchstwertnote „vorzüglich“ aus dem Ring, meinte ein langjähriger Züchter lachend:

„So etwas hatte ich auch mal“.

Andere wunderten sich, dass es doch Windspiele gar nicht „in gestromt“ gäbe. Andere schmunzelten auf ihre Weise.

Ausstellungen und Zucht sind oft zweierlei

Erfolge im Ausstellungsring sind nicht zwangsläufig vielversprechend für Erfolge in der Whippetzucht. Es muss mit zweierlei Maß gemessen werden, nicht weil sich der Zuchtstandard geändert hat, sondern weil sich der Richtergeschmack verführen lässt von Imposanz, Eindruck, „mehr hermachen“, Showattraktion.
Iman’s Wurf nach Koseilata’s Take Me To The Moon brachte 4 richtig schöne Whippet-Welpen. Übrigens: Die Wurfgröße ist bei ihrem Format absolut passend.

  • Die durchschnittliche Wurfgröße gibt auch Auskunft über die Widerristhöhe (und Format) der Mutterhündin.

Darunter war die kleine Suli (Koseilata’s Lady Bird), die extrem klein als Welpe war, aber dafür umso schlauer und entzückender, aber hart im Nehmen und Austeilen. Im Wachstum hat sie dann alles aufgeholt und ist sehr schön geworden. Ihr Bruder Koseilata’s Lesotho Lover (Monty) ging in die Zucht mit Superfly’s Shiphra  und beiden brachten den wundervollen R2-Wurf Koseilata’s und Iman selbst mit Koseilata’s Kilimanjaro Kedira den P 2 Wurf zustande. Hier gab es 1,1 Welpen, den schönen Percy (Koseilata’s  Peace and Love) und die schicke „Penny“ (Koseilata’s Penny Lane).

Das Schmunzeln über Imanchen hat sich also in jeder Beziehung gelohnt.

Whippetoutline – das Auge neu trainieren

Was ist das Typischste an einem Whippet? Woran erkennen Sie sofort einen Whippet? Oder wo müssen Sie noch einmal nachfragen:

„das ist jetzt kein Whippet, oder?“

Sound like a bell…sagte man über Whippets, die perfekt in der Linienführung waren, so dass sie auf Anhieb als Whippet zu erkennen waren.

vanityvanillaWenn ich an Superfly‘s Vanity Fair und Vanilla Fudge denke, direkte Nachkommen von Ch.Superfly‘s No Doubt About, dann sehe ich dieses Bild vor Augen. Das weisse Fell ohne Flecken und Ablenkung für das Auge eignet sich besonders gut, das zu Sehen, was ich beschreiben möchte.

Die typischen Umrisslinien des Whippets sind schwungvoll fließend ohne Haken und Ösen, Kanten und Dellen. Auch erkennt man deutlich den Unterschied zwischen Rüde und Hündin.

17 Jahre später folgte Koseilata’s Lovely Moon (Cato), den ich ebenfalls als ein Exemplar zum „Augentraining“ zeigen möchte.

catoKoseilata’s Lovely Moon (Cato), Foto: Koseilata’s

Cato ist wie aus einem Guß. Oberlinie und Unterlinie stehen in einem korrekten Verhältnis zu einander.  Der perfekte Schwung über der Lende ist nicht zu verwechseln mit einer abfallenden Kruppe und schon gar nicht mit einem Buckel. Eine  flache oder abfallende Oberlinie d.h. mit fehlendem Bogen über der Lende hat sich ebenso eingebürgert, wie eine seicht allmählich ansteigende Unterlinie. Beides ist nicht whipettypisch.

Wenn Sie sich ein waagerechtes S vorstellen, entspricht es den Umrisslinien; sozusagen bildet es damit die wünschenswerte gedachte S-Kurve beim  Whippet.

imaginäre S-Kurve

Stellen wir uns das waagerecht liegende S vor, und legen es gedanklich an den Whippet, dann teilt es den Whippet in zwei Teile. Ein auf der Seite liegendes S hat Bogen. Auch Heaven ist ein gutes Beispiel für whippettypische Umrisslinien.

juni_2015Koseilata’s Heaven can wait, ein bisschen pummelig 😉 Foto:Thomas Baruth

scurvedie S-Kurve eingebaut zum besseren Verständnis

Was kann man daraus leicht erkennen?

  • Proportionen
  • Umrisslinien
  • Rückenlänge
  • Brusttiefe
  • Soundness

Ich möchte die berühmtesten und erfolgreichsten Whippets Englands zu Beginn der modernen Rassehundezucht zeigen im Hinblick auf die S-Kurve und den Whippettyp, die am Anfang fast aller Whippets standen. Der „perfekte Bogen“ wurde ausdrücklich im Dog Owner’s Annual von 1898 erwähnt.

chenterpriseand ZuberbywilliamturnerGemälde von William Turner, zeigt dien berühmten Whippet  Ch.Enterprise mit seinem Vater Zuber, ca .1895

Und wenn wir ganz genau hinsehen, sehen wir den typischen Ausdruck von Whippets, die typischen Umrisslinien, Eleganz, Bemuskelung…Bei den Whippets im Gemälde springt die S-Kurve direkt ins Auge.  Der Maler hat die Merkmale sehr pointiert herausgestellt. Auf den alten Fotos der Whippets im The Whippet Archives ist nicht sehr viel zu erkennen. Bemerkenswert dürfte sein, dass diese Whippets klein, leicht und sowohl perfekt im Rennen trainiert waren.

Wenn Ihnen diese Whippets heute befremdlich vorkommen, dann liegt es an der züchterisch „vermodernisierten“ Gestalt. Auch der aktuelle Standard der Rasse beschreibt:

Obere Linie: Anmutiger Bogen im Bereich der Lendenpartie, aber nicht bucklig.

Untere Profillinie und Bauch: Deutlich aufgezogen.

Ich denke, dass Whippetzucht sich nicht so weit vom Standard entfernen darf, dass das rassetypischste Merkmal verloren geht. Nicht immer ist alles das, woran sich unser Auge gewöhnt hat, was wir überwiegend sehen, auch das Bessere.

Whippetmeetings – wie der Hase läuft

Auf Rassemeeting soll über rassespezifische Themen entschieden werden, so steht es in der Satzung des DWZRV. Soweit so gut. Was sind rassespezifische Themen?

Um sich der Frage einmal zu nähern schauen wir doch ganz einfach in den Zweck des DWZRVs als zuchtbetreunden Verein für unsere Rasse Whippet. Denn kann man nicht ein Haus nur auf einem Fundament aufbauen?

Screenshot_2018-11-04 Satzung des DWZRV - 170701_satzung_2017 pdf

Nach diesem Satzungszweck wird die Betreuung und Förderung der Zucht als erstes genannt. Wenn das also ein vorrangiges Ziel ist, dann müssten sich logischerweise rassespezifische Fragen um die Betreuung und Förderung der Zucht drehen, richtig?

Rassespezifische Sachanträge sollten sich also nach meinem Verständnis um die Sache der Whippetzucht drehen. Warum? Die Zucht ist das Fundament auf dem sowohl Vereine als auch Ausstellungen, Zuchtrichter und Rennen überhaupt erst gedeihen können. Ohne die Zucht haben Vereine gar keine Berechtigung. Denn wo nichts gezüchtet wird, ist auch nichts zu regulieren, zu reglementieren oder durch rassespezifische Sachanträge zu verändern. Ergo: Ohne Zucht auch keine Rennen.

Wie der Hase so lief

Die Anfänge der Rassemeetings habe ich selbst miterlebt. Damals waren die Züchter aus beiden Bereichen (Show, S&L, Rennen) natürlich dabei, denn wer sonst würde die Zucht besser vertreten können? Und es ging um Zuchtmaßnahmen, die zur Förderung der Zucht hätten beitragen können. Nehmen wir das Beispiel der Zuchtwertschätzung. Wäre sie tatsächlich langfristig seit Beginn an kontinuierlich durchgeführt worden, hätten wir den dramatischen Anstieg der Whippetgröße verhindern können.

MiezerennenBahnrennen für Koseilata’s One Cool Cat (Mieze), Foto: © Käthe Kipar

Wie dem auch sei. Die Rennlobby war immer eifrig und die Züchter und an der Zucht Interessierten haben alsbald ignoriert, weil sich die Themen überwiegend auf den Rennbereich konzentrierten und in endlosen Diskussionen so viel Zeit fraßen, so dass die Zuchtthemen nur noch schnell in den letzten Minuten überflogen werden konnten.

An Whippetmeetings drehte es sich überwiegend um

  • Bahnrennen
  • Renngrößen
  • Meß-Verfahren
  • Klasseneinteilungen
  • Streckenlänge
  • Titelvergabe
  • Anzahl der Starter
  • Übergrößen – Sprinter
  • Myostatin Defizienz (bei Rennhunden)
  • Vorschläge für Zuchtrichter zur Jahresausstellung der Rasse Whippets

Ob nun der Whippet in 3, 4 oder 6 Rennklassen starten sollte, welche Sprinter (Übergrößen) nun noch wann und wo oder wieder welche oder neue Titel gewinnen durften, sind mehr und mehr in den Vordergrund getreten.

Das änderte sich den letzten Jahren, als u.a. Brigitta Bürger und Barbara Thiel zuchtrelevante Vorträge hielten.  Es wäre schön, wenn hier ein wirkliches Umdenken erfolgt und Whippetinteressierte die Meetings als eine Möglichkeit wahrnehmen die Verantwortung für die  Zucht mehr in den Vordergrund zu stellen.

Das Whippetmeeting 2018 – heute Anmeldeschluß

Heute ist Anmeldeschluß für das Whippetmeeting 2018 .

Es wird beklagt:

Die breite Masse der Whippetzüchter, die ihre Zucht nicht auf die Rennbahn konzentrieren, nehmen sich mehr und zurück und glänzen durch Abwesenheit.  Gerade die Whippetmeetings sollten das verhindern und allen Whippetzüchtern die Möglichkeit geben ihre rassespezifischen  Sachanträge zu stellen und zu erläutern, die der Rasse insgesamt dienen könnten.

Das Interesse für die Jahresausstellungen der Whippets schrumpft. Auch das ist der Verschiebung der Teilnehmer an den Whippetmeetings geschuldet.

Jagen und pressen Sie den Hasen im Team und lassen Sie ihn nicht laufen wie er will. 😉