Wesenssichere Whippets züchten

Wie entsteht ein wesenssicherer Whippet oder anders gefragt: Gibt es überhaupt Möglichkeiten das Wesen eines Hundes zu beeinflussen?

Nun muss ich  wieder auf Superfly’s Omnia zurück kommen, aber sie liefert uns ein perfektes Beispiel. Wie im Beitrag Freie Welpenaufzucht nachzulesen ist, entstammt Omnia einem dieser Würfe, die im Experiment standen.

oceandivaDiva mit Söhnchen Ocean Dream

Ihre Mutter Diva war absolut wesenssicher in ihrem Verhalten gegenüber Hunden. Sie war eine absolut entspannte Mutter, leicht gebärend und fürsorglich, kurzum instinktsicher in Gebär- und Brutpflegeverhalten.

Zuverlässige Fürsorge waren Omnia doppelt gewiß. Omnia konnte bereits durch Prägung zur Mutter Diva und der jederzeit einspringenden Tante Krita , die liebend gern die Ersatzmutterrolle übernahm, eine vertrauensvolle Bindung zu den Hündinnen aufbauen. Emotionale Sicherheit ist die Grundlage für Bindungsfähigkeit und damit auch für wachsendes Selbstvertrauen.

Ebenso zuverlässig und entspannt war Omnia was Geburt- und Brutpflegeverhalten betreffen, wie in dem Foto unschwer zu erkennen ist.

newbornpuppiesOmnia mit ihren neugeborenen Welpen…Beine hoch und Rückenlage, was kann mir passieren

Mit zunehmendem Alter der Welpen, die sich frei von unnötigen Ängsten entwickeln konnten, war Omnia dann auch ihre Erzieherin und Ausbilderin zum Beispiel bei der Mäusejagd. Welpen brauchen Herausforderungen und vielfältige Lernerfahrungen, Aufgaben, die sie bewältigen können, das stärkt wiederum das Vertrauen und gibt Sicherheit, letztendlich Selbstsicherheit. Wenn die Hundemütter das übernehmen können und dürfen, verschafft das neue Lernbereitschaften.

IMG_7715.jpgTochter Shiphra als Welpe, die ebenfalls eine wesenssichere Mutter ist

Die wesenssichere Mutterhündin ist ein Muss

Fürsorge muss für die Welpen eine Garantie sein. Zuerst garantiert die Mutter und ggf. die anderen Hündinnen, dass Brutpflege und Versorgung zuverlässig und zeitnah die Bedürfnisse der Welpen bedienen.

Welpen erkennen m.E. den Unterschied, ob es ihre Mutter ist oder nur eine „Tante“. Hier ist Diva bei den Welpen von Ufo und der kleine „Corey“ starrt sie interessierter an als seine ihm vertraute Mutter.

not my mum du bist nicht meine Mum…scheint Superfly’s Little Red Corvette (Corey) zu denken

Wenn die Welpen selbstständig werden und allein fressen können, dann hat die Aufgabe der Fürsorge mit gleicher Aufrichtigkeit und Hingabe der Züchter zu erledigen. Und m.E. hat das nicht anstelle von der Mutter,  sondern parallel mit der Mutter erfolgen.

„Ausgelutschte“ Mutterhündinnen?

Die erzwungene Trennung von Mutter und Welpen halte ich für gegenläufig zur normalen schrittweisen Entwicklung. Warum muss die Entwicklung der Welpen, die wie wir sehen eng an die Mutter gebunden sind, durch menschliches Eingreifen jäh unterbrochen werden? Weil die Hündin schnell wieder an die Show oder den Sport soll? Dann sollte man nicht züchten.

Meine Hündinnen haben immer so lange gesäugt, wie sie es selbst zugelassen haben…und natürlich hatte sich bei allen das Gesäuge schnell und perfekt zurück gebildet. Ich habe selbst noch keine ausgelutschte Mutterhündin erlebt.

IMG_6994Omnia lässt es gerade noch zu

Wesenssichere Hündinnen legen den Grundstein für wesenssichere Welpen von Generation zu Generation, sofern auch die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind. In dem verlinkten Artikel sind die wichtigsten Punkte erläutert und in einer klaren Übersicht aufgelistet: Dieser Artikel sichere Bindung – sicheres Wesen müsste zur Grundaustattung aller Züchter gehören, hier sind alle Punkte zusammen gefasst, wie sicheres Wesen entsteht!

Zuchtvereine und Zuchtwarte sollten ihn sich an die Wand pinnen oder besser noch in die Zuchtordnung aufnehmen.

Gene sind nicht alles!

Da haben wir doch alle gelernt, dass die Gene alles bestimmten. Ob Hunde nun gesund oder krank oder verhaltensgestört oder prädestiniert für bestimmte Anfälligkeiten sind, das würde durch die Gene bestimmt. Aber Gene sind eben nicht alles!

hundezucht.jpginstinktsichere Krita bei der „Brutpflege“

Alte englische Züchter haben immer gesagt: Die Stärke eines Zwingers liegt bei den Hündinnen. Was Züchter schon damals wussten, wird heute nach und nach erforscht.

Heute wird gerade eifrig geforscht inwieweit sich Vererbung von Erfahrungen neben dem Genom abspielt, wie Gene „ein“ oder „stumm“ geschaltet werden durch epigenetische Modifikationen. Sie sind die Voraussetzung für hochkomplexe Regulationsmechanismen, die sicherstellen, welche Gene einer Zelle gelesen werden können und welche nicht. Noch sind längst nicht alle epigenetischen Prozesse bekannt, die die Aktivität von Genen steuern.

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Bleiben wir bei den Hunden. Hierzu schreiben Dr. sc.nat. Andrea Weidt, Dina Berlowitz, Heinz Weidt u.a. folgendes:

  • Bei einem Welpen entscheiden also die vorausgegangenen epigenetischen Einflüsse bei den Elterntieren (und unter Umständen auch der vorherigen Generationen), die eigenen vorgeburtlichen Erfahrungen im Mutterleib sowie die Erfüllung seiner emotionalen Bedürfnisse während der Aufzucht und in der weiteren Welpen -/Jugend- zeit einschliesslich der Pubertät darüber, wie gut das in ihm stecken.

  • Eine gute Aufzucht besteht nicht nur darin, dass der einzelne Welpe alle nötigen Schutz und Versorgungsqualitäten erhält.Genauso wichtig ist die Erfüllung jener emotionalen Bedürfnisse,die ihn innerlich stark machen und die heikle Phase der Umgewöhnung nach der Welpenabgabe bestmöglich gelingen lassen. Dazu bedarf es keiner Hexerei sondern konkreten Faktenwissens.

  • Das Wissen um die Funktion und Wirkung der Epigenetik erübrigt das aussichtslose Suchen der Ursachen zahlreicher Mängel in den Genen. Denn sie liegen überwiegend in zivilisations-orientierten Umgangsformen mit ihren generationsübergreifenden epigenetischen Folgen.

MoodymitUlla5w.jpgMoody macht schon als Welpe positive Erfahrungen mit Menschen

Wenn wir das jetzt unter dem Aspekt der Haltung und Aufzucht von Whippets betrachten, dann wissen wir auch, das vorgeburtliche „Umwelteinflüsse und Erfahrungen“ sehr ernst genommen werden müssen.

Ich möchte hierzu die Ausführungen der o.g. Autoren unter Wissen – worauf es ankommt allen Mitbewerbern und Interessierten empfehlen.