Whippetwelpen ohne Hirnverletzung

Ab einem Lebensalter von 7 Wochen haben Welpen gewöhnlich einen starken Erkundungstrieb. Welpen entwickeln Individualverhalten ab der 7. Lebenswoche und agieren nicht mehr nur als Gruppe.

Welpenbeobachtung ist zu meinem schönsten Hobby geworden, weil man so viel daraus lernen kann. Jeder Welpe ist anders. Wer am geschicktesten und mutigsten ist, versucht mehr, wenn seine Aktionen erfolgreich für ihn sind.  Das stärkt das „Selbstvertrauen“. Wenn die ersten Ausflüge erlebt werden konnten, drängt es  nach mehr. Erfahrungen sind gesammelt und die Welpen verlangen geradezu nach neuen Herausforderungen und neuen Eindrücken.

Die Neugierde ist zu groß. Es gibt in jedem Wurf einen, der den Anfang macht und wie in diesem Beispiel Alleingänge wagt.

Whippetwelpe LokiKoseilata’s My Sweet Lord (Loki) im Alter von 7 Wochen

Entsprechend der bereits gemachten Erfahrungen, z.B. tägliche Ausflüge, mit und ohne Autofahrt, neue Eindrücke in fremder Umgebung, Perfektionierung motorischer Fähigkeiten, wird den Welpen das bekannte Terrain, dass sie selbstständig erkunden können, schnell uninteressant. Wer dazu in der Lage ist, findet sehr schnell eine Ausbruchsmöglichkeit.

stubenreinheit

Hier war nur ein provisorisches Brett, weil der gesamte Kennel umgestellt werden sollte und es bis dahin völlig ausgereicht hatte.

Ein erfolgreicher Ausbruch ist selbstbelohnend.

Aber wir hatten die Rechnung ohne Loki gemacht, denn er hatte den Dreh  heraus. Das nur provisorische Brett am Welpenkennel ist keine Hürde mehr. Hochziehen, mit den Hinterbeinen Abstemmen und Hochlaufen, und Abspringen. Ich musste schnell die Kamera holen. Da schauen die Geschwister ihm hinterher. Sie haben es noch nicht begriffen, wie Loki da so mir nichts dir nichts in die große Welt entschwindet.

WhippetwelpenBeauty und Moody schauen dem Bruder nach

Das lernen einige Welpen schnell. Alleingänge setzen Mut, Neugier und Klugheit voraus. Das Gehirn wird trainiert und ebenso die Motorik. Erfahrungen sind es, die Welpen prägen und fit für das Leben machen. Whippets, die später unerschrocken auch schwierige und ungewöhnliche Situationen meistern können.

Die Basis für einen Charakterhund wird in frühster Jugend gelegt.

Auch den Zimmerkennel hatten immer einige  Welpen im Nu überwunden. Omnia war Spezialistin und viele andere auch. Die Technik war klug gewählt. In den Ecken des Kennels , wo die Gitter im 90 Grad Winkel zusammen kommen, wurden die Querstreben als Leiter verwendet…ok, manches mal war die Ladung unsanft, was aber die Ausbrecher nie hinderte es wieder und wieder zu machen. Aber ich kenne bisher keinen Welpen, der wieder zurück geklettert ist.

Bis auf Loki! Weil ihm der Ansturm einiger neugieriger und spielwütiger Whippetdamen, wie Superfly’s Shiphra und Omnia, zu groß war, kletterte er zurück in den Welpenauslauf!  

lokishiphraShiphra versucht Loki zum Rennen zu motivieren, da geht er lieber wieder „Heim“

img_5770raus wollen alle, zurück in den Welpenkennel, das ist schon sehr außergewöhnlich – Moody beobachtet Loki genau

Nur eine Sequenz, die die „Leichtigkeit“ der Überwindung zeigt, aber Mut gehört dazu.

img_57711Hochziehen und Absprung! Klasse gemacht, Loki!

img_5772perfekte Landung

Whippetwelpe Loki duckt sich, denn Moody „straft“ ihn mit Blick und Körperhaltung für den Alleingang ab !

Es dauerte keine 5 Minuten und Loki war wieder draußen. Ganz so, also würde er seine neuen Fähigkeiten auskosten wollen…aus reinem Spaß  😉 .

Shiphra ist begeistert…Loki ist wieder da.

img_57801Loki flitzt mit Shiphra im Schlepptau hoch zur Terrasse

img_5776Wo es doch so viel zu entdecken gibt….und Shiphra als Tante passt genau auf. Daneben noch die gute „ Joe “ und „Afrika“ (Koseilata’s Time After Time)

lokiyodaund dann als Krönung findet Loki Mama Yoda (Koseilata’s Yodas Sister)

Loki marschierte anschließend voller Tatendrang ins Haus und konnte gar nicht genug bekommen, was es da alles zu entdecken gab. Einige erwachsene Hunde beäugten das mit Argwohn. Als er auch noch aufs Sofa wollte, erntete er ernstes Knurren!

Loki wurde wieder per Hand zurückgebracht…und war damit natürlich überhaupt nicht zufrieden. Nun machte er ein Riesenspektakel…Whippetwelpen können ganz gut kreischen!

Grenzen müssen gesetzt werden und die Welpen müssen lernen, sie zu respektieren. Schluß ist Schluß und Kreischen wird ignoriert. Wenn sie keinen Erfolg damit haben, fallen sie meist todmüde um. Im Schlaf werden die Erlebnisse verarbeitet. Deshalb ist Schlaf und Ruhe nach aufregenden Erlebnissen unbedingt nötig.

Die natürliche Entwicklung verläuft nach einem Zeitplan.

Jetzt ist die Zeit gekommen, wo Welpen als Individuum ihre eigenen Erfahrungen sammeln wollen. Für den Züchter ist das sicher die aufwendigste Zeitspanne, wenn er seinen Welpen die Erfahrungen gönnen will und sollte. Jetzt saugen die Welpen Eindrücke und Erfahrungen auf wie ein Schwamm. Alles was sie jetzt kennenlernen, wird ihnen immer vertraut im Gedächtnis bleiben.

Es mag zwar viel mehr Mühe machen, wenn die Welpen viele Möglichkeiten haben, alles kennenzulernen, aber zu der ohnehin großen Verantwortung des Züchters kommt hier die bedeutendste hinzu: Die wichtigste Entscheidung, wie ein Hund einmal sein wird, wie er sich verhalten wird, wie er befremdliche Situationen meistern kann, welche Aufgaben er wie gut erfüllen kann, fällt in den ersten Lebenswochen beim Züchter. Aldington schreibt:

„Fehlende Sozialisierungsprozesse wirken sich später im Leben des Hundes wie eine Hirnverletzung aus“

und dem muss vorbehaltlos zugestimmt werden.

Allein an dieser kleinen Story kann jeder sehen, was Welpen mit 7 Wochen leisten wollen!!! und können.

kluger Whippetwelpe Neo bestens sozialisierter Whippetwelpe im Alter von  7 Wochen, Neo (Superfly’s Salomon),  interessierter Blick „was machen wir jetzt?“

Es ist also nicht von ungefähr, dass fehlende Sozialisierungsprozesse zu sozialer Deprivation  führen. Und umgekehrt, wenn Welpen so viel wie möglich kennen- und erfahren lernen, sie sich zu sozialeren, beziehungs- und lernfähigeren Whippets entwickeln können. Das Beste in der Zucht wollen, ist nach unserem Verständnis vor allem das Beste für die Hunde und die künftigen Besitzer wollen.

Dann ist das keine schematische Welpenaufzucht, sondern eine wundervolle Dienstleistung an Hunden und am Menschen.

Welpenerziehung – wie am besten?

1.Teil
Wie schnell die Welpen die Gesten, das Knurren, die Spielaufforderung oder jegliche Form der innerartlichen Kommunikation erlernen und unterscheiden können, ist einfach faszinierend. Wen wundert es dann, dass sie auch uns Menschen sofort an Mimik, Körperhaltung, Stimmungslage völlig korrekt einschätzen können. Sie sehen mit ihren Augen alles, was wir überhaupt nicht wahrnehmen. Das Auge dient zum Sehen aber auch zum Gesehen werden und hat eine wichtige Funktion in der innerartlichen Kommunikation.

Whippetauge Superfly's Tabitha
Superfly’s Tabitha „spricht“ mit den Augen: genauso wie ein Welpe seine vierbeinigen „Autoritäten“ beobachtet, genauso macht er es mit seinem Menschen

Wie oft wundern wir uns, dass uns ein Welpe um die Finger wickeln kann. Alles was für ihn wichtig, ja überlebenswichtig ist, erlernt er in frühester Jugend von seinen erwachsenen Rudelmitgliedern.

Der Welpe lernt durch Beobachtung

Welpenerziehung sollte sich möglichst an dem Vorbild der Hunde orientieren und es sollte sowohl Blick, als auch Stimme und wenn alles nichts hilft auch der Griff imitiert werden. Das Entscheidende ist immer die Konsequenz. Wir Menschen fürchten zu oft um das Vertrauen des Welpen und lassen viel zu viel durchgehen. Ein NEIN muss immer ein NEIN bleiben. Wenn der Welpe aus einem guten „Stall“ kommt, in dem er all das schon gelernt hat, dürfte sein Vertrauen in den Menschen nicht so leicht zu erschüttern sein.

Hunde untereinander belohnen nicht für Erlaubtes, sondern mahnen und bestrafen für Unerlaubtes. Was ist also unerlaubt? Unerlaubt ist der respektlose Umgang mit einer Autorität. Auf den Menschen bezogen: Wenn der Welpe unentwegt an den Kleidern zerrt, in die Hände beißt oder einfach auf dem Arm durchdreht und nicht stillhält. Stillhalten lernen die Welpen unter den erwachsenen Hunden als Erstes.

Eine kleine Fotoserie zum Thema: Wenn Blicke töten können…

Whippetwelpe mit MutterSuperfly’s Tabeal will sich an Mutter Superfly’s Omnia heranmachen, sie schaut weg, wodurch er ermutigt ist

Whippetwelpe will spielenTabeal macht durch Hopsen auf sich aufmerksam, Omnia bleibt demonstrativ abgewendet, die Ohren zurückgelegt

Whippetwelpe fordert seine Mutter heraus
Omnia hebt den Vorderlauf und schaut Tabeal</ an, dieser springt sogleich zur Seite

whippetsOmnia fixiert den Kleinen und leckt sich die Lippen, Tabeal< macht sich klein und lässt Omnia nicht aus den Augen

WelpenerziehungOmnia steht und wendet sich Tabeal zu, fixiert ihn und leckt sich deutlich die Lippen, Tabeal fällt vor Schreck fast um

whippets eben Daraufhin wendet Omnia Blick und Körperhaltung weg von Tabeal und er springt auf in ihre Richtung, aber Omnia hat noch ein Ohr aufgerichtet und den Vorderlauf wieder auf „Achtung“ erhoben

whippeterziehungTabeal macht sich klein aber beobachtet genau, Omnia stellt den Fuß auf und schließt die Augen „Entwarnung“

WhippetwelpeOmnia schaut über Tabeal hinweg und macht die Mundwinkel lang, Tabeal beobachtet das und startet seine Annäherung erneut

Whippetmutter erziehtOmnia wendet sich ab und Tabeal kommt sogleich aus sich heraus

whippetsOmnia mit freundlichem Gesicht, langen Mundwinkeln, Tabeal bleibt hinter ihr und folgt

WhippeterziehungSituation ist geklärt und Tabeal bleibt entspannt und hält sich zurück

WhippetTabeal hat gelernt und alles ist wieder im Lot

Welpen brauchen eine absolute Zuverlässigkeit. Welches Knurren müssen sie ernst nehmen, welches Knurren gehört zum Spiel, welcher Blick ist eine Warnung, wann bin ich sicher?

Da wir Menschen das gar nicht können und auch meistens gar nicht konsequent sind (weil die Welpen ja so niedlich sind 😉 ) fällt es uns auch umso schwerer einen Hund zu „lenken“. Was innerhalb der Rudelgemeinschaft scheinbar wie von selbst funktioniert hat etwas mit der aufmerksamen Beobachtung der Welpen zu tun. Denn sie sind es, die sich einordnen müssen. Sowohl in die Hundegemeinschaft als auch in die Familie des Besitzers.

Mehr über die innerartliche Erziehung im 2.Teil.

wird fortgesetzt