Hundeschule mit Vincent

Es trafen sich der kleine Tito und der erwachsene Vincent.  Großer Dank an Evelyn für die Fotos und an Corinna und Uwe und nicht zuletzt Lehrmeister Vincent.

Tito muss zuallererst den Hofknicks machen…heißt soviel wie: Du Kleiner, zeig mir zuerst deinen Respekt.

20190518_170631.jpg
klappt natürlich auf Anhieb, das hatte er schon bei der Mutter gelernt

Und weiter schön liegen bleiben, Tito…bis Vincent dich frei gibt.

20190518_170548.jpg
Vincent droht nicht mehr mit dem Blick, sondern schaut über Tito hinweg.

Vincent ist sehr freundlich, als Tito seinen Kopf erhebt, aber in der Seitenlage verharrt.

20190518_170655.jpg
Tito unschlüssig, ob eine Rückenlage verlangt wird, doch Vincent wendet den Kopf ganz ab.

Tito spricht in etwa: Sei mir gut gesonnen, ok?

img-20190518-wa0147.jpgVincent lässt Tito gewähren, sein Blick ist abgewandt, zeigt seine neutrale Haltung gegenüber Klein-Tito.

ansehenundanstarren

Anders als in der Welpenspielgruppe wird hier nicht gebolzt, vielmehr zeigt Vincent Tito, wie man Löcher buddeln kann…und Tito lernt begierig.

20190518_170259.jpgaha, so geht das, lass mal sehen

Tito beobachtet Vincent aus dem Augenwinkel, aber Vincent schaut ihn nicht an, somit ist alles ok.

img-20190518-wa0131.jpgGrenzen austesten und Risiken minimieren, Tito beobachtet die Mimik von Vincent

Nächste Lektionen Ressourcen! Vincent hat einen Stock...Tito beobachtet.
IMG-20190518-WA0152.jpg
Begehrlichkeit wird in Tito geweckt.

Klappt auf Anhieb und Tito will auch an den Ast. Vincent muss ihn verwarnen, er zeigt das Weiss im Auge und öffnet den Fang…sehr wahrscheinlich, dass er auch geknurrt hat.

20190518_170156.jpg
Vincent teilt seine Ressource nicht so ohne weiteres und verwarnt Tito.

Ein erneuter Versuch von Tito sich des Asts zu bemächtigen und wieder setzt Vincent deutlich Sinale ein. Anstarren und Züngeln.

IMG-20190518-WA0161.jpgTito entgeht das nicht.

Erst wenn Vincent ihm es erlaubt, darf Tito weit am anderen Ende vorsichtig knabbern.

IMG-20190518-WA0170.jpg

Vincent schaut weg und Tito beknabbert vorsichtig das andere Ende des Asts, aber in Hab-Acht-Stellung, die Ohren angelegt.

Nun lockert sich die Stimmung nachdem Vincent  Tito erfolgreich beigebracht hat, dass er es ist, der bestimmt ob ein gemeinsames Astknabbern möglich ist.

IMG-20190518-WA0169.jpg
Beide beknabbern den Ast in neutraler Stimmung, Ohrhaltung, beide schauen „vor sich hin“.

Es war ein sehr schönes Treffen und Tito hat wieder viel gelernt. Frauchen wundert sich und ist ganz begeistert über das Hundeverhalten.

IMG-20190518-WA0194.jpg
Tito bei seinem Frauchen.

Der erwachsene Vincent hat es völlig korrekt gemacht und Tito muss seine ganzen Aktivitäten, Erlebnisse und Erfahrungen sortieren.

IMG-20190518-WA0198.jpg
Tito ausruhen auf Spaziergang

Vom Verhalten der Hunde untereinander können wir soviel lernen und ablesen. Wie hier treffen sich zwei unbekannte Whippets und ihr Sozialverhalten ist perfekt.

Welpen haben’s drauf

Welpen sind so schlau und eben nicht die Kleinen, die noch nichts verstehen. Ist das nicht zu früh, ihm etwas beizubringen? Warum zieht er jetzt oder hoppst an der Leine? Fragen die auftauchen, nachdem Tito sich eingelebt hat.

Welpen haben es gelernt ihre Mutter zu beobachten und reagieren auf ihre Mimik, ihre Gebärden, ihr Drohverhalten, Wuffen, Knurren und „über den Fang greifen“. Bis zum Verlassen des Zwingers hatten sie „strammgelegen“ und nicht gewagt sich zu rühren, wenn Shiphra sie nicht entließ.

IMG_7772.JPGdie Welpen wagen es gar nicht auf zu springen oder weg zu laufen, obwohl Shiphra über sie hinweg schaut

Der Welpe hat gelernt, dass ein Widersetzen gar nichts Gutes bringt. Aufstehen wird bestraft und Weglaufen erst recht.

IMG_3572Tito beobachtet, wie Shiphra Togo zurecht bringt

Körpersprache und Ausdrucksverhalten erlernen

Also lernt er Konflikte zu vermeiden, in dem er alles genau beobachtet . Welche Körperhaltung, welche Geste und Gesichtsmimik, welche Signale und Laute sendet die Mutter aus? Die komplette Körpersprache der Mutter zu erlernen geht Hand und Hand mit dem Kopieren und Verfestigen des eigenen Verhaltens  gegenüber den Wurfgeschwistern und später seinem Menschen.

Welpen habensdrauf
hier beobachtet Ufo’s Söhnchen Corey „Tante Diva„. als stände in seinem Gesicht geschrieben Du bist aber nicht meine Mutter

Liest sich alles kurz und knapp, aber allein die Gesichtsmimik enthält so viele Elemente, die wir nicht immer mitbekommen, auf die wir auch gar nicht achten und die so schnell ablaufen, dass wir die Feinheiten und das Zusammenspiel nicht wirklich erkennen, wenn wir nicht explizit darauf achten und das  am besten in Zeitlupe aufnehmen würden. Hierzu empfehle ich das Buch Ausdrucksverhalten beim Hund, wer mehr erfahren möchte.

Was die Welpen in der kurzen Zeit, in der sie mit der Mutter zusammen sind, lernen und abspeichern müssen ist enorm und eine Superleistung. Und all das brauchen und gebrauchen sie später im Umgang mit ihren Menschen.

So wie Welpen gelernt haben innerartliche Körpersprache, Ausdrucksverhalten und Stimmungen zu lesen, so lesen sie auch ihrem neuen Besitzer. Und das geht innerhalb weniger Tage!!

IMG_8454Tito guckt nicht nur einfach niedlich, er scannt die Gesichtsmimik und züngelt ..genau hinsehen bitte

Grundsätzlich sind wir Menschen es, die Welpen im jungen Alter unterschätzen und wir wissen zu wenig von den Fähigkeiten der Welpen resp. Hunden. Ja wir sind es, die viel mehr lernen und wissen müssen 😉 .

Die Frage ab wann kann der Welpe etwas lernen? ist eigentlich falsch. Richtiger wäre wie kann ich meinen Welpen verstehen?

Inzwischen kennt Tito sein Frauchen sehr gut und hat längst herausgefunden, was er für sich als Vorteil herausschlagen kann und was er unbedingt vermeiden will, um nicht die Harmonie zu gefährden.

Grundsätzlich ist es der Mensch, der die Fehler macht,

  • der nicht so konsequent ist wie die Hundemutter,
  • der nicht so aufmerksam ist,
  • der nicht wirklich auch meint, was er sagt,
  • nicht zeitnah genug reagiert und
  • emotionsbeladen statt sachlich handelt.

Ein großes Glück einen Neuhundebesitzer wie Evelyn zu haben, die fleißig und bereit ist zu lernen und mich motiviert darüber etwas zu schreiben.

Der Hund sieht die Angst

Wir machen unsere Morgenrunde, ein schmaler Weg und meine Hunde marschieren völlig normal gemächlich. Da sehen wir von Ferne zwei Frauen, die sich angesichts der Hunde wie folgt verhalten:

Signale werden gesendet

  • Wechseln der Schrittgeschwindigkeit
  • Verharren und Starren
  • Körper abwenden ( sich verkriechen wollen)
  • Schultern hoch ziehen
  • Kopf einziehen
  • Abruptes Stehenbleiben
  • Verspannen ( in sich zusammen sinken)
  • Erstarren

Die ganze Körperhaltung der Frauen sendet all diese Signale!

Reaktion auf die Signale

Selbst der alte John macht die Ohren hoch…nun werden meine Hunde aufmerksam und machen sich größer, stellen die Ohren und sind ihrerseits angespannt.

13346128_716645061806974_4538114903077306821_oDie Ohren gehen sofort hoch, wenn etwas die Aufmerksamkeit erregt

Angst ist sichtbar, nicht nur  für den Hund

„Gehen Sie doch bitte ganz normal weiter. Keine Angst.“ rufe ich den beiden zu. „Meine Hunde sehen nur, dass Sie Angst haben, aber es passiert gar nichts, ich erkläre es Ihnen gleich.“ ..So eile ich den Frauen entgegen und rede einfach weiter.

„Ich sehe auf hundert Meter Entfernung, dass Sie Angst haben und meine Hunde auch“.    Als ich sie erreicht hatte,  sagt die eine „ja ja ich habe Angst“ mit zitternder Stimme, die andere nickt zustimmend. Ich hatte sie zuvor niemals gesehen und da sie große Rucksäcke um hatten, waren sie wahrscheinlich auch nicht von hier. Also rede ich mit den beiden und erkläre genau was gerade passiert ist, sie hören auch zu! und entspannen sich etwas, obwohl die eine noch immer in Hab-Acht-Stellung verharrte. Für meine Hunde war die Situation damit geklärt und sie trotteten weiter…

Normalerweise begegnen meinen Hunden täglich irgendwelche Menschen, ob sie nun gehen, laufen oder sprinten, mit oder ohne Stöcken, Fahrrad, Kinderwagen…Sie ignorieren das vollkommen, schauen da nicht einmal hin. Aber schon auf Meter Entfernung haben meine Hunde das vom Normalen abweichende Verhalten gesehen (ich ja auch!), was ihre Aufmerksamkeit erregt hat. Deshalb auch das Aufstellen der Ohren…was natürlich bei den Ängstlichen wiederum noch mehr Angst auslöste. „Da stimmt doch was nicht“ so stand die gedachte Sprechblase über den Hinterköpfen meiner Whippets.

Angst macht einfach kopflos.

Und ein paar vernünftige Worte können zumindest von der Angst ablenken…und die Bestätigung, dass es so ist wie man sagt,  geben dann wiederum die Hunde durch ihr Verhalten.

Ich denke es wäre eine Aufgabe für uns Hundehalter nicht einfach nur „der will nur spielen“ zu rufen, sondern wirklich zu erklären, wenn dazu Gelegenheit ist und die Voraussetzungen stimmen, wie im o.g. Fall