Von Hundemüttern lernen

Hundemütter schaffen für ihre Welpen im Spiel wichtige Lernerfahrungen und sogar neue Herausforderungen, wo sie Stress ertragen lernen, Beharrlichkeit üben, Zielstrebigkeit entdecken, Neugier und Lernbegierigkeit wecken können.  Das Spiel fördert nicht nur die Bindung, sondern vermittelt den Welpen Frustrationsgrenzen zu erhöhen und daraus Erfolge zu verzeichnen, die wiederum die Selbstsicherheit steigern. Das so in Kürze zusammengefasst.

TuU_03Joe mit einem ihrer Welpen in spielerischer Lernaktion…Ausharren lernen, Foto: Eva-Maria Krämer

Fotoserien helfen kleine Einblicke zu bekommen, wie eine instinktsichere Hundemutter mit ihren Welpen agiert.

Omnia ging mit ihren Welpen  auf Mäusejagd und zeigte ihnen alles, was sie fand und motivierte die Kleinen zum Nacheifern und Erproben der eigenen Fähigkeiten und Ideen.

Beispiel 1

Omnia bringt ihren Welpen einen Putzlappen. Keine Ahnung wo sie den geklaut hatte.

IMG_7789.jpgSamuel (Sammy) und Silas (Vayu) springen sofort an

IMG_7790Omnia hält fest…und weckt Begehrlichkeit..

IMG_7793.jpg..die Welpen dürfen zupacken…bis Omnia entscheidet..

IMG_7799zack…weg ist sie mit dem Teil…die beiden Kleinen mit fliegenden Ohren hinterher

IMG_7800Samuel ist schon dran…und Sarah wird aufmerksam

IMG_7801oh ein Zaubertuch…Omnia bleibt zurück und lässt Samuel die Chance

IMG_7803Was für ein Erfolg für Samuel…er hat jetzt das begehrte Objekt und flitzt damit davon und Bruder Silas will es auch

IMG_7804Samuel ist dann mal Sieger…er hat Beute gemacht!

Beispiel 2

Omnia hat wieder etwas gefunden und angeschleppt, eine leere Futtertüte.

IMG_7233wie nur an einem Zahn trägt sie die Tüte..unübersehbar..

IMG_7239Omnia inspiziert und  Sarah wird neugierig

IMG_7240 Omnia bei der beharrlichen Untersuchung…Sarah macht es nach..

IMG_7245das lassen sich die anderen nicht entgehen…

IMG_7247 erst alle Antreten lassen und dann gibt:s das Kommando: Nase weg knurrt Omnia.

IMG_7254.jpg Die Verwarnung hat gereicht, nun überlässt die Mutter allen Welpen die Tüte

Was Whippetbesitzer hieraus lernen können

Die Welpen haben gelernt, dass Mutter sie in diesem Alter mit Interessantem versorgt, dass sie neue Erfahrungen machen, die auch mit Respekt und „Gehorsam“ einhergehen, dass sie lernen müssen, dass Mutter ihnen überlegen aber auch immer gut gesinnt ist, und dass Spielsequenzen positiv für sie enden. Sie lernen auch Schritt für Schritt mit Frust umzugehen, damit sich keine unnötigen Aggressionen oder Ängste entwickeln. Mutter Omnia  ist immer eine Garantie für Fürsorge.

Es gäbe noch viel mehr Beispiele, aber nicht immer gibt es leider auch passende Fotos. In jedem Fall ist die Beobachtung der Hunde immer wunderbar, interessant und lehrreich. Denn wir können viel davon lernen, wie wir mit unseren Whippets bestmöglichst umgehen sollten. Eine soziale Bindung kommt nicht durch Überfrachtung oder Lieblosigkeit zustande, auch nicht durch Leine oder Futterbeutel, sondern durch die gewachsene Beziehung durch beständige Fürsorgesicherheit, gemeinsame positive Unternehmungen und vor allem souveräne Unaufgeregtheit im Agieren. So wie es Omnia hier zeigt.

Welpen testen ihre Grenzen

Die kleine und harmlose Fotoserie könnte dennoch interessant sein, besonders für künftige Welpenbesitzer. Denn das, was Beauty (Koseilata’s Mombasa Beauty) hier mit Superfly’s Shiphra macht, das macht auch jeder Welpe mit seinem neuen Menschen.

Das Ausloten der Möglichkeiten

Wie weit kann er gehen, wie viele Ermahnungen sind nötig, wann und wie begreift er, wo die Grenzen sind?

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Shiphra döst und die kleine Beauty entdeckt ein Objekt der Begierde. Sie starrt es an, das Ohr

Der Spaß mit der Ohrgeschichte hat jedoch einen ernsten Hintergrund. Was man mit bloßem Auge nicht wahrnehmen kann, hält die Kamera fest. Das soll uns zeigen, dass wir die kleinsten Gesten und mimischen Facetten unserer Hunde gar nicht wirklich immer erkennen und dass die Verständigung zwischen den Hunden wesentlich subtiler ist, als wir es uns gemeinhin vorstellen.

Fotoserie zur Dokumentation

Ich empfehle die Fotos und die Bildunterschriften genau anzusehen und zu lesen.

Oft sagen Hundebesitzer nämlich „es war doch gar nichts„ , wenn sie ein Verhalten ihres Hundes nicht erklären können. Es ist aber immer etwas! Und wenn es nur diese kleine Fotoserie ist, so sehen wir schon hier, was sich zwischen dem Welpen und der 1 jährigen Shiphra tatsächlich abspielt.

Es gibt auch Hundebesitzer, die einem Welpen so gar nichts zutrauen. Er ist ja noch so klein! Im Alter von acht Wochen hat ein Welpe bereits die Verhaltens-Grundausstattung für ein Leben im Rudel erlernt und ihm wird von den übrigen Hunden viel Freiraum gelassen, aber in der Sozialisierungsphase muss das Verhaltensrepertoire vervollkommnet werden. Dafür gibt es innerartlich strikte Regeln und glasklare Grenzen. Wenn die überschritten werden, dann muss der Welpe die Konsequenzen tragen. Das geht manchmal auch mit Schrecksekunden oder Schmerzensschreien einher, was den Lernerfolg in den meisten Fällen jedoch dauerhaft festigt.

Immer wird vorher gewarnt,

  • durch Blicke,
  • Lefzen hochziehen,
  • Züngeln,
  • Nase kräuseln oder
  • Knurren.

Das Fixieren mit einem festen Blick in eine ernste Verwarnung. Für den Menschen sieht das jedoch harmlos aus, wenn er die Hundesprache nicht kennt. Doch der Welpe wird immer gewarnt. Wer aber nicht aufpassen kann oder will, muss eben fühlen, wenn er Signale und Warnungen ignoriert. Erziehung innerhalb des Rudels fällt differenziert aus. In der Regel werden Unterordnung spielerisch geübt, sowohl von der Mutter als auch den anderen älteren Hunden im Züchterhaushalt. Je nach Temperament und Charakter der Hunde und Lernerfolg des Welpen sind „harte Maßnahmen“ in der Regel selten. Je aufsässiger ein Welpe trotz Verwarnung ist, je härter fällt dann schon einmal die „Maulschelle“ aus. Ganz ohne geht es in der Fotoserie aus.

Shiphra hat eine Engelsgeduld

Es war klar, dass Beauty ihren Gelüsten nicht widerstehen kann. Sie macht eine Ohr-beute und packt fest zu.

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Shiphra bleibt regungslos liegen mit halb geschlossenen Augen, während Beauty das Ohr kostet

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die spitzen Milchzähne werden tiefer eingegraben und tun richtig weh, Shiphra erträgt es noch geduldig…

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..hebt dann leicht den Kopf, die Mundwinkel leicht verkürzt und leichtes Züngeln; Warnung an das Fräulein, das vom Ohr ablässt, sich aber ansonsten unbeeindruckt zeigt…

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…und sogar noch die Pfote auflegt, um auch die Tiefen der Ohrmuschel zu ergründen…

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die Warnung noch in ihren Ohren, deshalb Beauty’s Seitenblick, kaut sie aber trotzdem weiter…als Shiphra nicht reagiert… probieren, wie weit das Spiel gehen kann

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…wird Beauty dreister und stopft ihre Nase komplett in Shiphra’s Ohr, Shiphra’s Augen sind halb geschlossenimg_5875 Shiphra öffnet ganz leicht die Augen, Beauty kaut genüsslich und immer fester…da Shiphra nicht reagiert…

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nutzt das Beauty aus, ihre Äuglein blitzen selbstsicher, die Pfote liegt näher an der Ohr-„Beute“…

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..oh, das lässt sich sogar aufrollen!….Shiphra bleibt gelassen…und hat große Geduld

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Shiphra hebt den Kopf, zeigt das etwas Weiss im Auge (leichte Warnung), Beauty schert sich nicht und kaut weiter…

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Beauty wird immer unverschämter…während Shiphra wieder platt liegen bleibt. Beauty treibt es bis zum Äußeren und beißt richtig zu, hält mit der Pfote fest

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…und Beauty kaut und kaut…Shiphra ist unglaublich nachsichtig

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Shiphra hebt leicht den Kopf vom Boden…Beauty hält inne und ist aufmerksam geworden

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Shiphra erhebt den Kopf, das veranlasst Beauty wegzuschauen…bloß keine Provokation jetzt

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Shiphra wendet sich Beauty zu…diese ist in Hab-acht-Haltung

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Shiphra zeigt mehr Weiss im Auge als Drohung, Beauty hat das Signal gelesen und macht sich klein…kneift ihre Augen zu

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Beauty versucht es mit Schön-Wetter-Betteln, aber Shiphra fixiert sie mit starrem Blick und hat die Pfote zum Aufspringen bereit…

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Das war unmissverständlich! Beauty beschwichtigt mit Züngeln und trollt sich

Welpen verstehen subtile Warnungen

Mutter Yoda (Koseilata’s Yodas Sister) hätte sich das nicht mehr so geduldig gefallen lassen. Sobald Welpen älter als 8 Wochen sind, hört in der Regel die grenzenlose Toleranz gegenüber dem Nachwuchs auf. Dann muss er lernen, dass Grenzen einzuhalten sind, damit das harmonische Zusammenleben im Rudel reibungslos und friedlich funktioniert. Shiphra ist selbst noch jung und verspielt, aber auch sie macht deutlich: Was zu weit geht, geht zu weit.

Hinweis für Interessierte und Züchter: Der Beitrag kann gern geteilt werden mit Quellenangabe. © Marianne Bunyan