Wesen ist doch alles

Für alles gibt es eine Top Ten, aber die Welpenaufzucht zählt nicht dazu. Wenn nun für die Zuchtzulassung auch ein Verhaltenstest notwendig ist, dann frage ich mich woher kommen die ängstlichen Whippets, die selbst im Ausstellungsring immer häufiger Wesensschwäche und Ängstlichkeit zeigen? Sie beantworten sich die Frage, wenn Sie meine vorherigen Artikel über Wesen und Sozialisation oder Aufzucht in diesem Blog lesen.

Coole Welpen sind der Zuchterfolg

Gestern war Besuchstag bei Vater, Koseilata’s Moody Blues. Die Welpen sitzen aufgereiht im Transportkennel.

IMG_8028In Sicherheitsverwahrung für den Transport

Es war keine lange Fahrt und nur Togo hat ein bisschen gejammert.

Angekommen waren die Welpen sogleich unterwegs und wurden herzlich willkommen geheißen.

IMG_8046 Rosy und „Silver“ sind herzlich willkommen

Man merkt deutlich, wie sehr sie jetzt „ihren eigenen“ Menschen haben wollen. Babysitter sind cool, aber individuelle Besitzer sind zehnmal besser.

IMG_8069ist ja alles so bunt hier ..und der Rasenmäher knattert

Der Garten wird untersucht und vor allem die Koiteiche. Wieder Wasser …

IMG_8089 Tito ist vorsichtig

An der flachen Stelle, könnte man es vielleicht probieren.. Die natürliche Angst vor Tiefe lässt die Welpen vorsichtig herangehen.

IMG_8103.JPG ganz schön tief

Aber die Blumen…zu schön, um sie nicht zu probieren…zack ist die Blüte ab.

IMG_8113 Blütenmeer

IMG_8115 Die Welpen wandeln wie im Paradies

IMG_8119.JPGWingi ist bei Fuß

Schön ist es mit den Puppies…und ja auch wehmütig, denn der Abschied naht.

IMG_8154.JPGdie Racker waren sehr „vernünftig“ in fremder Umgebung

Und dann kommt der Papa…

IMG_8190 Moody, Besuch ist da

IMG_8202Moody: hab ich damit etwas zu tun? scheint er wie immer wedelnd! zu denken

IMG_8217.JPGTina meint: absolut!

Nachdem die Welpen auf ihr voller Freude herum getrampelt sind….sie wollen doch nur Küsschen geben 😉

IMG_8167 ein süßer Ansturm begeisterter Welpen

Bei Kaffee und Kuchen klettert Tito auf Beppos Schoß und bleibt dort wie angenagelt liegen.

IMG_8226 ja doch Tito, dein Frauchen kommt dich bald holen

Und dann lagen alle platt und waren in Tiefschlaf gefallen…wie das so ist bei Welpen.

IMG_8228von den Eindrücken überwältigt

Es war der  Wurf auf  Wesen geplant mit Moody x Shiphra und die Welpen sollten nicht nur von den Anlagen her, sondern auch durch die Aufzucht stabile Whippetwelpen werden. Das hat wunderbar geklappt.  Und das ist m.E. der größte züchterische Erfolg.

Puppies, ihr seid eine wahre Freude.

 

Mutterglück – Welpenglück

Wie unterschiedlich Whippetmütter sein können, dürfte kein Geheimnis sein. Aus meiner Praxis habe ich von nonchalant bis übereifrig oder gluckenartig alles erlebt. Faszinierend, wenn man es genau beobachtet. Ganz interessant war Krita, die ja einerseits sehr an mir hängt und schon ab der 3. Nacht mit Saugwelpen stundenweise in meinem Bett verbrachte, obwohl sie einen extremen Hang zur „Bemutterung“ ihrer und auch anderer/ fremder Welpen hat.

zazakritaKrita putzt hier Diva’s Tochter Organza mit Hingabe

Inwieweit vererbt sich das Mütterverhalten?

Eine interessante Frage wie ich finde. Und jetzt möchte ich nicht nur das gute und normale Brutpflegeverhalten wie Säugen, Säubern und Erziehen betrachten, sondern das Sahnehäubchen. Bleiben wir in meinen letzten Generationen von Müttern, um Vergleiche ziehen zu können, da ich natürlich das am besten bei meinen eigenen Hündinnen beobachten konnte.

Shiphra ist eine sehr pragmatische Hundemutter, anders als ihre eigene Mutter Omnia es war und wieder anders als deren Mutter Diva. Während Diva ihre Welpen mit Hingabe fürsorglich nicht nur in der Brutpflege betreut hat, war sie auch eine moderate Erzieherin, die viel mit ihren Welpen gespielt hat und gern bei ihnen lag. Diva hat auch die Welpen von ihren Töchtern gehegt und sogar gesäugt, ebenso wie Krita die Welpen ihrer Mutter und Halbschwester umsorgt und sogar gesäugt hat.

Die meisten meiner Hundemütter hatten große Freude an ihren Welpen, das zeigte sich auch in der langen Zeit des Säugens, aber vor allem in dem „Betuddeln“ und der körperlichen Nähe zu den Welpen, die außerhalb des normalen Rahmens lag.

Echte Lust auf ihre Welpen

Sowohl Diva, Ufo, Little Jeannie, Krita und Omnia hatten wirklich echte Freude und Lust an ihren Welpen. Das heißt, dass die Mütter auch mit ihnen zusammen lagen, sich mit ihnen beschäftigten wegen der m.E. engen Bindung, die sie zu ihnen hatten.

Omnia war alles in allem  darüberhinaus eine Mutter, die ihren Welpen spielerisch so viel beigebracht hat. Sie hatte einfach Lust und Freude an ihren Welpen!

jeanniewoody1 Jeannie mit Woody, eine extra Qualität von Mutter-Welpen-Beziehung

Superfly’s Little Jeannie hat sich ebenfalls viel mit ihren Welpen beschäftigt; man konnte erleben, dass sie die Nähe zu den Welpen einfach genoss.

100_0507Ufo (Superfly’s Euphoria) mit John und Jamie

Genauso war ihre Mutter Ufo, die sich solange die Welpen da waren, immer in ihrer Nähe aufhielt. Und sie putzte ihnen auch die Ohren als sie größer waren.

Shiphra erledigt zur Zeit ihre nötige Arbeit und sorgt für „Zucht und Ordnung“. Das ist mir bis dato aufgefallen. Und ich frage mich warum ist das so?

Hundemutter erziehtShiphra bringt ihren Kindern „Zucht und Ordnung“ bei

Bis jetzt konnte ich nicht erleben, dass sie sich länger als nötig bei ihren Welpen aufhielt. Das finde ich sehr interessant. Es wäre aus ihrer genetischen und epigenetischen Ausstattung nicht zu erwarten, dass sich Shiphra so verhält.

Was läuft da also anders?

Derzeit sind die Welpen im Welpenauslauf untergebracht, somit räumlich von der Mutter getrennt.  Das war übrigens sogar Erfordernis bei meinen letzten Würfen in der Landesgruppe Berlin im DWZRV, wo der Zuchtwart mir vor schrieb, die Welpen gegenüber im Nebengelass unterzubringen, anstatt in meiner Wohnküche mit direktem Ausgang zur sehr großen Terrasse und sehr großem Garten.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf das Experiment der freien Welpenaufzucht eingehen. Da ich meine Hunde und Welpen gern  so frei wie nur möglich mit Mutter und anderen erwachsenen Whippets zusammen aufwachsen ließ, konnte ich folgende Beobachtungen machen:

  1. Mütter, die sich mit ihren Welpen relativ frei außerhalb eines Welpenzwingers bewegen können, verbringen viel mehr Zeit mit und bei ihren Welpen.
  2. Mütter, die viel Zeit mit ihren Welpen verbringen, erledigen zuerst die notwenige Erziehung und danach widmen sie sich ihren Welpen in Bezug auf Zusammenliegen und Genießen.
  3. Mütter, deren Welpen in  Welpenauslauf/Welpenunterkunft untergebracht sind,  erledigen nur das Nötigste.

Eine naturnahe Aufzucht wird aber nach meiner Vorstellung einfach nicht immer möglich sein. Zum einen um die Welpen zu schützen, zum anderen, weil die Gegebenheiten nicht vorliegen oder aber auch der Züchter nicht die meiste Zeit mit den Welpen zu Gange sein kann.

Aber: Es ist und bleibt nach meiner Erfahrung die allerbeste Art und Weise und sowohl haben Hundemütter und Welpen einen unermesslichen Erfahrungsschatz und letztendlich der Züchter selbst. Hundezucht muss Freude machen, allen Beteiligten, meine ich.

welpe mit mutterJeannie mit Woody, freie Welpenaufzucht ist das Idealste und ein Züchter mit viel Zeit – aber leider nicht einfach machbar

Nun werden Shiphra und ihre Welpen in dieser Woche stundenweise ihre gemeinsame Zeit auf der großen Wiese verbringen können. Darauf freue ich mich und werde dann davon berichten.

 

Whippetzucht mit Leidenschaft

F6 kennt man vom Regal an der Kasse. Eine Zigarettenmarke aus der ehemaligen DDR. Aber F6 ist auch die Beschreibung für die Anzahl der Würfe eines Zwingers.

20181107_144836Holger Bunyan mit seinem P1 und Q1 Wurf Koseilata’s, Züchterleidenschaft

Für diejenigen, die das nicht wissen sollten:

Jeder Züchter beginnt normalerweise beim ersten Wurf in seiner Zuchtstätte mit dem ersten Buchstaben des Alphabets. Das Alphabet hat 26 Buchstaben. Wenn das erste Alphabet durch gezüchtet ist, d.h. 26 Würfe gefallen sind, dann beginnt das zweite Alphabet. Und damit man später die Hunde mit den jeweiligen Anfangsbuchstaben dem korrekten Wurf zuordnen kann, werden die Würfe mit A1 und A2 gekennzeichnet.

Nein, bis F6 werden wir in unserem ganzen Leben nicht kommen können, denn Koseilata’s ist eine kleine, reine Liebhaberzucht.

Nach 26 Jahren Koseilata’s Whippets stehen im nächsten Jahr die T2 und U2 Würfe an. Um F6 zu erreichen, müssten 92 Würfe gezüchtet werden, also mehr als doppelt so viele, wie in den ganzen 26 Jahren davor.

Eine kleine Rechenaufgabe: Wenn der Züchter in 26 Jahren 44 Whippetwürfe gezüchtet hat, wie viele Jahre braucht er dann für 92 Würfe….  ? 😉 .

Kleine Liebhaberzucht mit Züchterleidenschaft

Eine Liebhaberzucht nach unserem übereinstimmenden Verständnis sollte zwar professionell mit Sachkenntnis und auch Ernsthaftigkeit betrieben werden, muss jedoch für Holger im selbst beschränkten Rahmen bleiben. Für ihn wie auch für mich, braucht es Zeit und viel Muße, damit man den Welpen nicht nur gerecht wird, sondern sich auch individuell mit ihnen beschäftigen kann.

EMK_1477bWelpentest mit Holger Bunyan, Foto:Eva-Maria Krämer

Folgende Beobachtungen, Tests und Dokumentationen werden bei einem Wurf vorgenommen:

  • Frühwelpentest im Alter von 1-3 Tagen
  • Entwicklung der ersten drei Lebenswochen
  • Dokumentation ab der vierten Lebenswoche
  • Sozialisierung und Dokumentation
  • Sechs-Wochen-Welpentest

Dann kann eine genaue Beschreibung zu einem jeden Welpen zuverlässig sein. Damit sich der passende Welpe zu dem passenden Besitzer findet, muss der Züchter jeden einzelnen Welpen und seine Charakterzüge schon früh erkennen.

Der Erfolg zeigt sich darin, wenn die Welpen bei ihren Familien bleiben und Mensch & Hund ein wunderbares Team bis zum Ende des Lebens bleiben können.